Traumjob oder Sicherheit – oder doch lieber beides? Eure Leserbriefe zu unserem muko.info-Schwerpunktthema „CF und Beruf“

Berufliche Vorlieben sind so verschieden wie wir Menschen. Auch der Weg zur persönlichen „Berufung“ verläuft nicht bei jedem ohne Umwege. Doch lässt sich aus Euren Beiträgen klar herauslesen, dass Ihr, wenn Ihr Euch für etwas begeistert, Wege findet, um Therapie- und Arbeitsalltag miteinander in Einklang zu bringen.

Durch achtsamen Umgang mit sich und seinen Mitmenschen die berufliche Balance finden

Vor ca. vier Jahren habe ich mich für den Schritt in die Beratung entschieden und bin seitdem als Senior Consultant erfolgreich tätig. Konkret unterstütze ich Kunden bei der Digitalisierung ihrer Projekt- und Geschäftsprozesse. Der Weg dahin wurde insbesondere von meinem persönlichen Umfeld kritisch begleitet, und dabei kamen kritische Aussagen wie: „Du wirst das nicht lange durchhalten“ oder „Unternehmensberatung ist sogar für kerngesunde Menschen ein Alltag am Belastungsmaximum“ häufig vor.

Nun, zum Glück bin ich in der Hinsicht stur und habe mein Ding durchgezogen und bin darüber mehr als glücklich. An meinem Beruf faszinierend und spannend sind die unterschiedlichen Projekte und damit abwechslungsreichen Kundenkontexte und immer neuen Herausforderungen. Natürlich ist die Belastung häufig groß, aber ich habe Spaß an meiner Arbeit und gehe diesen Weg ohne von außen herbeigeführten Druck durch meinen Arbeitgeber.

Mein Arbeitgeber unterstützt mich in jeder Hinsicht und hat zu jeder Zeit Verständnis für meine persönliche Situation. Dabei legt er eine bemerkenswerte Achtsamkeit an den Tag. So haben meine Vorgesetzten mir vorgelebt, wie wichtig respektvolles, menschliches und authentisches Verhalten in der Arbeitswelt ist.

Ich bin der Meinung, dass das Zusammenspiel zahlreicher ökologischer Faktoren meine Karriereentwicklung beeinflusst hat. Das Vorhandensein von Mukoviszidose alleine hat sich auf meine berufliche Entwicklung weder negativ noch positiv ausgewirkt.

Meine vier Prinzipien, die ich gerne jedem mitgeben möchte, sind, dass der Erfolg im Beruf sich auf die eigene Expertise begründet, das Vorhandensein von Empathie und Flexibilität, um sich stets dem aktuellen Gesundheitszustand anpassen zu können und Belastbarkeit, die regelmäßig überprüft werden sollte und mit dem Arbeitsalltag in Einklang zu bringen ist. Hierzu ist eine ständige transparente Kommunikation mit dem Arbeitgeber unerlässlich.

Semi Kefi

Die Chancen nutzen, den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern

Ich mache zurzeit eine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen. Wie kam es dazu? Ich habe im Jahr 2018 mein Abitur gemacht, um dann Bioanalytik zu studieren. Leider musste ich dieses Studium wegen meiner Mukoviszidose aufgeben und habe dann überlegt, was ich beruflich machen könnte. Laut Ratschlag meiner Ärzte sollte ich eine Bürotätigkeit ausüben, da dies für mich gesundheitlich gesehen am besten sei.

Bevor ich diese Ausbildung anfing, wollte ich mich vorher noch in anderen Berufen jenseits eines Bürojobs ausprobieren. So war ich für je drei Monate in einer Metzgerei und im Lager einer H&M-Filiale tätig. Es war eine super schöne Erfahrung! Ich hatte zuerst Bedenken, ob das für meine Lunge möglich ist, da die Arbeit im Lager körperlich anspruchsvoll war, aber zu meiner Überraschung wurde meine Lungenfunktion besser! Zwar nicht sehr viel, trotzdem unerwartet! Letztendlich sollte es jedoch ein Bürojob werden. Insgesamt bin ich aber froh und dankbar dafür, dass ich verschiedene Erfahrungen als Studentin, im Metzgereibetrieb und in der Lagerarbeit sammeln durfte. Meine Erkrankung hat mich bei der Berufswahl eingeschränkt, aber zugleich meinen Horizont erweitert!

Meine Ausbildung macht mir insgesamt Spaß, und ich kann in der aktuellen Corona-Situation auch von zu Hause arbeiten, was wirklich toll ist! Es ist auch kein Problem, wenn ich mal wegen einer IV-Therapie für zwei Wochen ausfalle; ich werde super unterstützt und das ist das Wichtigste!
Durch diesen Beruf konnte ich mich selbst auch neu entdecken: Ich habe so Kundenkontakt über das Telefon (zu lange Telefonate sind dennoch schwierig) und kann mein berufliches Wissen auch für mein Privatleben nutzen. Und da ist es gut, einen Überblick über alles zu haben und Bescheid zu wissen. 😊

Lena Gumber, 21 Jahre

Zufrieden durch Wind und Wetter

Arbeiten, wo andere für immer und ewig ruhen, das ist mein Job als Gärtner auf einem großen Dresdner Kirchenfriedhof. Nach Schulabschluss sammelte ich erste berufliche Erfahrungen während eines Ökojahres. Danach stand die persönliche Entscheidung fest: Eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner, mein damaliger Traumberuf.

Trotz hart erkämpftem Facharbeiterabschluss sattelte ich später aus gesundheitlichen Gründen um und arbeitete als Verkäufer in verschiedenen Geschäften. Nach langjähriger Tätigkeit als Sportfachverkäufer in einem großen Outdoor-Laden hatte ich das Bedürfnis nach Abwechslung und einer Arbeit im Freien.

Eine Stellenausschreibung als saisonaler Friedhofsgärtner war die Rettung, trotz anfänglicher Skepsis in Bezug auf Trauer, Tod und Gesundheit. Dank frühkindlicher Abhärtung und regelmäßigem Sport an der frischen Luft war der Start, geprägt durch Wind, Wetter und Pandemie, ein voller Erfolg. Gemeinsam mit dem Friedhofsteam sorge ich dafür, dass Gräber und Grünflächen in einem würdigen, flanierfreudigen Zustand sind. Trauernde, aber auch Besucher von Jung bis Alt, erkunden gerade in der aktuellen Situation die Stadtoase und genießen Ruhe und Anonymität hinter den Friedhofsmauern, abseits des Straßenlärmes.

Konfrontation mit der Vergänglichkeit erlebt man dort natürlich jeden Tag. Umso mehr schätze ich die gärtnerische Arbeit in der Parkanlage mit Frischluftgarantie, nutze die kurze Winterpause zum Kraft tanken und besinne mich auf die schönen Dinge des Lebens.

Johannes Knoblauch, 40 Jahre

Persönliche Neigung und Absicherung als Maximen

Mein Beruf ist ein sitzender Schreibtischjob, durch den ich mehr oder weniger Kalorien über Hirnaktivität verbrenne. Ich habe Informatik studiert und bin seit über 10 Jahren als Softwareentwicklerin tätig.

Für mich war klar, dass ich einen Job haben möchte, der gute Verdienstmöglichkeiten und maximal leichte körperliche Tätigkeit beinhaltet sowie Homeoffice ermöglicht. Dies beruht auf dem Gedanken, dass ich dann mehr Chancen habe, falls es mir gesundheitlich mal schlechter gehen sollte, meinen Beruf weiter auszuüben und gleichzeitig finanziell besser abgesichert bin.

Mir persönlich liegt das Feld der Software-Entwicklung sehr gut. Ich bin eine logisch denkende Person, die Abläufe gut abstrahieren kann, immer nach einer Möglichkeit sucht, Dinge zu optimieren, und ich liebe es, das eine oder andere Rätsel zu lösen.

Natürlich hat der Beruf seine Vor- und Nachteile, für mich überwiegen aber ganz klar die Vorteile. Es gibt auch immer mal stressigere Phasen, wo Dinge am besten gestern schon fertig gewesen wären; man sitzt die ganze Zeit nur und muss aktiv darauf achten, mal aufzustehen, herumzugehen und sich zu strecken.

Aber dafür kann ich unkompliziert von Zuhause aus arbeiten, was ich auch zu 50% tue, während Corona sogar zu 100%, ohne irgendwelche Einbußen. Die Verdienstmöglichkeiten in diesem Sektor sind sehr gut.

Ich arbeite mittlerweile seit einigen Jahren in Teilzeit, und mein Gehalt ist dafür immer noch überdurchschnittlich. Mir macht meine Tätigkeit oft Spaß, und ich arbeite in einem Unternehmen, in dem meine Erkrankung absolut kein Problem ist. Für mich persönlich habe ich damit den optimalen Beruf gefunden.

Ilka Schmitzer, 37 Jahre

Über Umwege die Freude am Programmieren entdeckt

Ich arbeite als Softwareentwickler in der IT-Branche. Meine Berufswahl war ein langer Weg, aber die CF war eher zweitrangig. Dennoch habe ich meine Suche immer nach etwas “keimfreiem” und nach etwas mit wenig physischer Arbeit ausgerichtet. Nach der Hauptschule absolvierte ich zunächst meine mittlere Reife in “Labortechnik”, um dann später als Chemielaborant zu arbeiten.

Nach der mittleren Reife fasste ich den Entschluss zu studieren und holte mein Abitur mit den Schwerpunkten Biotechnologie und Physik nach. Mein Plan war es, damit später eine Naturwissenschaft, wie beispielsweise Physik, zu studieren. Aus Physik wurde dann auf Rat meines Physiklehrers eine Ingenieurswissenschaft an einer Universität. Nach einem Semester wechselte ich aber zu einer Fachhochschule, da mir die Uni einiges abverlangt hatte.

Dennoch hatte ich an der Uni meine Affinität zum Programmieren entdeckt. So studierte ich an der Fachhochschule Wirtschaftsinformatik. Mein Studium meisterte ich in acht Semestern, was im Allgemeinen eine gute Zeit an unserer Fakultät ist — insbesondere für einen CF-Betroffenen. Für meine Bachelor-Thesis erhielt ich eine 1.0.

Im siebten Semester lebte ich sogar während eines Praktikums für sieben Monate in Singapur. Ich bereiste mit meinen Kollegen insgesamt acht Länder in Südostasien: Singapur, Malaysia, Indonesien, Thailand, Vietnam, China, Japan und Taiwan.

Ich habe mich während dieser Zeit von meiner CF nicht bremsen lassen: Wir haben Motorradtouren gemacht, waren Schnorcheln, sind Jetski gefahren und waren auf über 3.100 Metern unterwegs. Meine CF machte aber natürlich einige Probleme, wie wiederholte Sinusitis von den allgegenwärtigen Klimaanlagen. Hinzu kam die Angst vor einer Infektion durch fragwürdige Hygiene auf unseren Reisen.

Dennoch hat mich diese Zeit gelehrt, dass man selbst mit CF einfach mal vorbereitet in einen Flieger steigen und 10.000 km in die subtropische Ferne ziehen kann! Genau das möchte ich anderen CFlern mitgeben.

Eric Adam, 27 Jahre

Wir haben unser Leben in der Hand

Ich habe eine wirklich sehr schöne Kindheit verleben dürfen, die zwar auch besonders im Kleinkindalter mit Krankenhausaufenthalten durchzogen war, jedoch, Dank meiner großartigen Eltern, wenig Nachgeschmack hinterlassen haben. Natürlich kamen ab einem gewissen Alter die Gedanken zu den Berufsmöglichkeiten auf, und es war wie wohl bei vielen – von der Tierärztin bis zur Kosmetikerin alles dabei – nur eben auf keinen Fall ein Bürojob.

Letztendlich wurde während des Abis sehr schnell deutlich, dass ich Psychologie studieren möchte, um mit Menschen arbeiten zu können und weil es mich einfach interessiert, warum Menschen so sind wie sie sind. Ich habe mir dabei tatsächlich wenig Gedanken zu meiner Gesundheit gemacht. Erst nach dem Diplom und der herben Enttäuschung, ohne Therapieausbildung und Approbation nicht so arbeiten zu können, wie ich es mir ausgemalt hatte, habe ich tatsächlich sehr lange überlegt, ob der beschwerliche Weg einer weiteren Ausbildung mit Theoriestunden an den Wochenenden und arbeiten in der Klinik neben meinem eigentlichen Job wirklich gut gehen kann. Letztendlich entschied ich mich für diesen Weg und habe es nicht bereut, auch wenn es eine sehr kräftezehrende Zeit war.

Nun bin ich seit zehn Jahren approbierte Psychotherapeutin und habe mich sogar mit einer Praxis in die Selbständigkeit gewagt. Darüber hinaus habe ich die Firma meines Vaters, einen überbetrieblichen arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Dienst, übernommen. Seit 2007 bin ich zudem Vorstandsmitglied des Mukoviszidose Vereins Berlin/Brandenburg und versuche auch hier zu zeigen, dass wir unser Leben in der Hand haben und etwas bewegen können, denn wir leben mit einer Krankheit, nicht für sie.

Mein Ziel war es stets, bis zum 40. Lebensjahr zu arbeiten, „durchzuhalten“ ­- nun bin ich 40, und eine Rente kommt für mich weiterhin nicht in Frage. Ich mag meine Arbeit, sie gibt mir Sinn, und auch wenn ich durch regelmäßige Infekte ausfalle und oft an meine körperlichen Grenzen komme, bin ich froh, diesen Weg eingeschlagen und nichts auf damalige Prognosen und Warnungen gegeben zu haben.“

Andrea Siebert, 40 Jahre

Studium und Ausbildung – die Mischung macht es aus

Meine Ausbildung zur Organisationsassistenz in einem Großunternehmen habe ich 2018 abgeschlossen. Da ich ohnehin einen Beruf im Büro ausüben wollte, hat mich CF nicht an meiner Berufsplanung gehindert. Allerdings hatte ich zur damaligen Zeit großen Respekt vor einem Studium, da ich in dem Jahr nach meinem Abitur einen gesundheitlichen Einschnitt hatte.

Durch Zufall wurde ich auf die Ausbildung durch eine Freundin aufmerksam und entschied ich mich dann für diesen zweijährigen Bildungsgang, da es eine Mischung aus einem Studium und einer Ausbildung ist, was für mich perfekt passte. Es gab sogar die Möglichkeit, für ein paar Monate im Ausland arbeiten zu können, was ich allerdings nicht in Anspruch nahm.

Ich bin sehr froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn mein Arbeitsalltag macht mir auch heute noch unglaublich viel Spaß! Aktuell habe ich die Möglichkeit, durchgehend vom Home Office aus zu arbeiten, was mich bezüglich der Corona-Situation zusätzlich entlastet. Ich bin dankbar für einen so verständnisvollen Arbeitgeber.

Julia Brenner

Persönliche Neigung und Kompromissfähigkeit als Schlüsselfaktoren bei der Berufswahl

Ich mache im Moment eine Ausbildung zum Elektroniker im Handwerk. Auf diesen Beruf bin ich durch meinen Vater, seinerseits Elektroniker in der Industrie, gekommen und habe in meiner jetzigen Firma zunächst ein Praktikum absolviert. Da mir dieses viel Spaß gemacht hat und der Umgang mit dem Chef und den Kollegen sehr angenehm war, habe ich dort meine Ausbildung begonnen.

Leider hatte ich im ersten Lehrjahr einen gesundheitlichen Einbruch, bei dem meine Ärzte mir nahelegten, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Zusammen mit meinem Chef vereinbarte ich dann, meine wöchentliche Arbeitszeit auf vier Tage zu reduzieren und mittwochs nicht zu arbeiten. Zum Glück war dies für meinen Arbeitgeber kein größeres Problem. Seitdem läuft es relativ gut, vor allem seit ich Kaftrio nehme und dadurch wieder leistungsfähiger bin. Angenehm finde ich die (teils hohe) körperliche Belastung, da dies meiner allgemeinen Verfassung zu Gute kommt, denn ich bin allgemein nicht der sportliche Typ.

Ein Bürojob stand für mich von Anfang an nicht zur Diskussion, da ich einen sehr abwechslungsreichen und körperlich aktiven Beruf ausüben wollte. Die Arbeit auf verschiedenen Baustellen lässt sich gut bewältigen, auch wenn ich dabei manchmal an meine Belastungsgrenze stoße.

Dabei hilft mir, dass ich von Beginn an sehr offen mit Mukoviszidose umgegangen bin und meine Vorgesetzten und Kollegen sehr rücksichtsvoll sind und es kein Problem darstellt, wenn ich mal eine zusätzliche Pause benötige.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich meine Berufswahl wieder genauso treffen würde und ich es vor allem wichtig finde, dass man eine Tätigkeit ausübt, an der man langfristig Freude hat. Daher empfehle ich allen, die vor der Berufswahl mit CF stehen, ihren Beruf nicht von CF abhängig zu machen, sondern diesen frei zu wählen und ggf. Kompromisse einzugehen.

Samuel Baumann, 19

Dauerhafte körperliche Arbeit mit gestiegenem Therapieaufwand schwer vereinbar

Ich wuchs in einer kleinen Nebenerwerbslandwirtschaft auf. Mein Berufswunsch war schon immer Landwirt. Davon wurde mir aber abgeraten wegen Staub, schwerer Arbeit usw. Ins Büro wollte ich auf keinen Fall.

Da mich Technik schon in der Schule interessierte, bewarb ich mich schließlich als Mechaniker in einem Maschinenbaubetrieb. Dieser Betrieb war mir durch Erzählungen von Verwandten und Freunden bekannt und wurde mir auch empfohlen. Ich wurde eingestellt und nach erfolgreicher Ausbildung zum Mechaniker arbeitete ich Vollzeit in der Baugruppenmontage. Nach Feierabend ging es in der Landwirtschaft mit Viehhaltung und Ackerbau weiter, was mir sehr viel Spaß machte. Therapie hatte ich damals außer Kreon und Fluimucil keine.

Mit 29 Jahren war meine Belastbarkeit schlecht, und es ging mir immer mehr die Puste aus. Ich wechselte die Ambulanz. Bei einer Lufu von 35 % FEV1 wurde mir geraten, die Arbeitszeit zu verkürzen. Das kam für mich nicht in Frage. Aber trotz Antibiose wurde die Lufu schlechter, und die Ärztin sprach schließlich von Listung zur Transplantation. Das war ein Schock! Mit dem Resultat, dass ich die Arbeitszeit auf 25 Wochenstunden reduzierte.

In der freigewordenen Zeit fing ich an, intensiv Therapie zu machen. Und langsam verbesserte sich mein Zustand wieder. Einige Jahre ging das so gut, dann kamen mehr Keime und Lungenbluten dazu. Der Therapieaufwand wurde noch größer und ich reduzierte die Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden. Zudem gab ich die Viehhaltung in der Landwirtschaft auf.

Seit Corona bin ich von der Arbeit im Betrieb freigestellt. Der Betrieb hat nach Lösungen gesucht – für 2021 ist Heimarbeit geplant. Die Werkbank ist schon daheim angekommen. Mal sehen, wie das weitergeht…

Stefan Schürrle

Traumberuf – die gehobene Laufbahn im öffentlichen Dienst

Mukoviszidose wurde bei mir in meinem ersten Lebensjahr festgestellt. Seitdem lebe ich mit der Krankheit und der Therapie. Die Krankheit hat bei mir bis jetzt einen relativ milden Verlauf genommen. Ich kann Fußballspielen und bin im Alltag nicht besonders eingeschränkt. 

Von klein auf wollte ich Polizist werden. Nach meinem Abitur habe ich mich 2017 bei der Polizei, dem Zoll, der Bundespolizei und der Kriminalpolizei für die gehobenen Laufbahnen beworben. In den Bewerbungen habe ich die Mukoviszidose immer mit angegeben. Lediglich von der Polizei und dem Zoll habe ich eine Einladung zum schriftlichen Teil des Bewerbungsverfahren bekommen. Alle anderen Bewerbungen blieben unbeantwortet. 

Bei der Polizei kam mit demselben Schreiben auch eine Einladung für den Sporttest. Dieser sollte eine Woche vor dem schriftlichen Teil stattfinden. Einen Tag vor dem Sporttest wurde ich von der Polizei unterrichtet, dass es keinen Sinn für mich habe, an dem Bewerbungsverfahren teilzunehmen, da ich aufgrund der Krankheit keine Chance auf eine Stelle bei der Polizei hätte, selbst wenn ich den Sporttest bestehen würde. Daraufhin habe ich nicht an dem Bewerbungsverfahren teilgenommen. Ich war sehr enttäuscht, dass ich keine reelle Chance bei der Polizei bekommen habe und nur nach meiner Krankheit beurteilt wurde.

In diesem Jahr habe ich mein Duales Studium beim Zoll erfolgreich abgeschlossen und arbeite auf einem Zollamt. Mit dem Schichtdienst ist es manchmal schwer, alle Medikamente in den richtigen Abständen einzunehmen. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, und die Therapie hindert mich nicht bei der Arbeit.

Durch Corona hätte ich die Möglichkeit, ausschließlich von zu Hause aus zu arbeiten. Ich habe darauf verzichtet, da es die Einarbeitung sehr beschränkt und verlangsamt hätte. Alle Kollegen halten sich an die Hygiene- und Abstandsregeln, sodass ich keine Bedenken habe, zur Arbeit zu gehen.

Mir hat es trotz anfänglicher Widerstände geholfen, offen mit meiner Krankheit umzugehen, und so habe ich schließlich auch erreicht, in meinem Traumberuf arbeiten zu können.

Hannes Carius, 23 Jahre

Bei der Berufswahl spielte die CF keine Rolle

Ich habe eine ganz normale Schullaufbahn durchlaufen. Nach der Grundschule wechselte ich zur Realschule. Im Anschluss hatte ich keine Lust mehr auf Schule. Jedoch erhielt ich keine positiven Rückmeldungen auf meine Bewerbungen. Daraufhin absolvierte ich das Fachabitur mit Richtung Betriebswirtschaftslehre.

Bei der Berufswahl spielte meine CF überhaupt keine Rolle. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht. Zuerst wollte ich Erzieherin werden. Jedoch waren damals die Jobaussichten etwas schlecht. Aufgrund dessen war ich im BIZ (Berufsinformationszentrum). Dort habe ich dann herausgefunden, dass ich die Arbeit mit dem PC ganz gerne mag. Ich habe mich dann als Industriekauffrau, Groß- und Außenhandelskauffrau, Verwaltungsfachangestellte etc. beworben. Es ist dann im Endeffekt die Stadtverwaltung, bzw. der öffentliche Dienst geworden.

Zuerst wurde ich im Bereich Bestattungswesen eingesetzt. Nach zwei Jahren hatte ich die Chance, in die Finanzbuchhaltung zu wechseln. Da bin ich heute noch und fühle mich total wohl. In dem Bereich besuche ich auch immer wieder Fortbildungen. Das ist genau meins.

Meine engsten Kollegen wissen über meiner Erkrankung Bescheid, aber damals bei meiner Bewerbung und meinem Vorstellungsgespräch war es nie ein Thema. Ich habe das Glück, dass es bei mir auch nicht groß auffällt.

Claudia Griese, 39 Jahre

Verschiedene Branchen kennengelernt

Ich habe nach dem Abitur einen Studiengang gewählt, der mich interessiert hat, nicht unbedingt einer, der auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt war oder der gute Verdienstmöglichkeiten versprach. Das lag zum Teil sicher auch an der Mukoviszidose. Denn zwar war ich mit 19 Jahren relativ stabil und gesund, aber es war klar, dass das sich schnell ändern konnte und es war ungewiss, ob und wie lange ich überhaupt berufstätig würde sein können. Daher wählte ich, was ich heute etwas bedauere, einen exotischen kulturwissenschaftlichen Studiengang, wo gar nicht klar war, was man dann „eigentlich damit macht“.

Dann führte mich mein Weg über Teil- und Vollzeitstellen in verschiedenste Branchen, da ich nicht nur ohne Einschränkungen mein Studium beendete, sondern auch auf den Arbeitsmarkt geworfen wurde. Besserer Therapien sei Dank. 

Nach der Touristik, Bildung, Kultur bis hin zu einer Umorientierung und kaufmännischen Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann mit Mitte 30, bin ich nun in der Baubranche mit Sekretariatsaufgaben tätig. Es gibt gute und unzufriedene Tage.

Wäre es ohne CF anders gelaufen? Nein, ich glaube der Anteil meiner Entscheidungen, die durch CF beeinflusst wurden, ist gering. Aber das Finden einer Stelle ist durch die Schwerbehinderung sicher hier und da erschwert gewesen, bzw. hat dazu geführt, dass ein Arbeitsverhältnis nicht verlängert wurde.

Alex  

Was man von Herzen gibt, das kehrt zu einem um ein Vielfaches zurück

Als ich beschloss, „Ich werde Physiotherapeutin“, schluckten erstmal alle, am meisten meine Physiotherapeutin selbst, glaube ich. Aber ich wusste, ich möchte Menschen helfen, zu heilen und Gesundheit zu finden. Vor zwölf Jahren begann ich, diesen Weg zu gehen. Bis heute habe ich zahlreiche Fortbildungen sowie eine Yoga- Lehrerausbildung absolviert.

Es war nicht immer einfach und doch habe ich mich aus jedem gesundheitlichen Einbruch immer wieder hochgearbeitet. Dabei ging ich stets offen mit der Mukoviszidose um und stieß dabei immer auf viel Verständnis von Seiten meiner Arbeitgeber.

Seit Beginn ist meine Arbeit mein größter Antreiber – sie hält mich auf ihre Art am Leben und fit. Letztes Jahr zog ich nach Sankt Peter Ording, wo ich heute ein Gesundheitszentrum leiten darf. Momentan mache ich nebenbei eine einjährige Online-Ausbildung zum spirituellen Coach und hoffe, dass ich dann noch mehr Menschen auf dem Weg ganzheitlicher Gesundheit und Heilung helfen kann. Das Leben ist Veränderung. Heilung kann nur mit Veränderung einhergehen, und wer weiß, wohin es mich noch führt?

Was ich mit der Zeit verstanden habe, ist, dass alles, was man gibt, vielfach zu einem zurückkehrt. Und so fand auch ich in jedem Patienten, den ich auf seinem Genesungsweg begleitete, selbst in mir ein Stück Gesundheit und Heilung. In diesem Sinne, es lohnt sich immer, seinem Herzen und seiner Intuition zu folgen, Visionen zu haben und an das zu glauben, wofür man brennt und manchmal dann einfach zu machen, ohne zu viel zu zerdenken…

Leonie Poniatowski, 31

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