Durch gute und schlechte Zeiten mit meinem treuen Begleiter. Haustiere und Mukoviszidose Teil 2

Carolin Raab hat ihren Labrador Ole seit 4 ½ Jahren. Wie es ist, als Mukoviszidose-Betroffene einen Hund zu haben, hat sie im folgenden Blogbeitrag für unsere Serie „Haustiere und Mukoviszidose“ beschrieben.

Über das Leben mit Ole, meinem Labrador Retriever und CF[1].

Labrador Ole ist Carolin Raabs treuer Begleiter.

Labrador Ole ist Carolin Raabs treuer Begleiter.

Ole, mein Labrador, lebt seit 4 1/2 Jahren bei mir und begleitet mich in guten und schlechten Zeiten. Ole ist als acht Wochen alter Welpe bei mir eingezogen. Ich habe mich im Vorfeld schlau gemacht, welche Hunderasse passend für mich sein könnte. Wichtig war mir hierbei vor allem Einfühlungsvermögen, eine Rasse, mit der man sich grundsätzlich viel bewegen kann, die es einem aber auch mal verzeiht, einen Tag weniger Bewegung zu erhalten. Labradore sind hierfür gut geeignet, hieß es überall. Ich wollte gerne einen entspannten Begleiter für alle Lebenslagen.

Was heißt es, einen Hund zu haben? Was muss man beachten?

Unabhängig von der CF sind es natürlich verschiedenste Dinge, die für den Hund wichtig sind. Mein Partner und ich leben mit Ole in einer Erdgeschosswohnung mit Garten. Dies ist für Ole praktisch, für mich aber auch. Sollte Ole mal verletzt sein, kann ich ihn eher schlecht mehrere Treppenstufen rauf oder runter tragen. Immerhin wiegt er 30 kg. Wichtig ist natürlich auch, dass Ole immer versorgt ist. Das heißt, er ist nie länger als fünf Stunden alleine. Mein Partner und ich sind berufstätig. Ich arbeite viel im Home Office, aber an den anderen Tagen haben wir eine Schülerin, die mittags mit Ole Gassi geht.

Für eine Ganztagsbetreuung haben wir eine gute Hundepension. Ole ist schon als kleiner Hund dort regelmäßig gewesen, um sich daran zu gewöhnen. Nicht immer kann er uns begleiten.

Er braucht seine tägliche Bewegung, lange Spaziergänge oder Fahrradtouren, aber auch Ball spielen oder Denksportaufgaben. Aber auch mal ein gemütlicher Tag am Strand ist perfekt für ihn.

Was muss man in Bezug auf Mukoviszidose beachten?

In Bezug auf die CF habe ich mir im Vorfeld lediglich darüber Gedanken gemacht, dass Ole auch mal ein paar Wochen am Stück woanders untergebracht werden muss, wenn ich im Krankenhaus oder zur Kur bin. Mein Partner ist Vollzeit berufstätig und würde es zeitlich nicht schaffen sich alleine um Ole zu kümmern. Auch hier habe ich im Vorfeld mit meinen Eltern gesprochen. Dort macht Ole immer Urlaub, wenn ich zur Reha fahre oder ins Krankenhaus muss.

Mit einem Hund – vor allem mit einem Labrador – hat man keine perfekt saubere und klinisch reine Wohnung mehr. Ole liebt Wasser. Er würde auch noch in der Wüste die letzte Wasserpfütze finden und sich reinlegen. Sein Lebensmotto scheint zu sein „Einmal am Tag muss ich nass und dreckig sein“, erst dann war es ein guter Tag. Seine Haare sind quasi überall und er liegt natürlich immer im Weg, er muss einfach alles mitbekommen und ist neugierig. Grundsätzlich spricht bei CF nichts gegen Hundehaltung. Ole darf bei uns nicht ins Schlafzimmer oder aufs Sofa. Das vor allem aus Hygienegründe und weil er vielleicht auch mal die eine oder andere Zecke mitbringt und die müssen nun wirklich nicht im Schlafzimmer landen oder auf dem Sofa.

Ole lebt seit 4 1/2 Jahren bei Carolin,

Ole lebt seit 4 1/2 Jahren bei Carolin.

Hund als Motivation

Die tägliche Versorgung von Ole übernehme weitestgehend ich. Ole ist auch als eine Art Therapiehund bei uns eingezogen. Er ist mein Fitnessprogramm und täglicher Motor. Ich muss morgens aufstehen und ihn versorgen. Morgens fahren wir immer mit dem Fahrrad, mittags gibt es eine Runde zu Fuß und abends – je nach Jahreszeit und Wetterlage – nochmal eine größere Runde zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder ein Besuch am Strand. Wir wohnen nur ca. 15 Kilometer von der Nordsee entfernt – da ist man schnell mal am Hundestrand. Aber auch das Drumherum, Tierarztbesuche, Hundeschule, das Duschen / Saubermachen des Hundes, das tägliche Putzen in der Wohnung sollte man mit einrechnen. Der tägliche Zeitaufwand für einen Hund summiert sich schnell mal auf drei bis vier Stunden. Sicherlich ist das auch von der Rasse abhängig und davon, wie viel Aufwand man selbst betreiben will und kann.

Am beeindruckendsten finde ich das Einfühlungsvermögen von Ole. Wenn ich morgens im Bad stehe und huste, legt er sich immer auf meine Füße und wartet, bis es vorbei ist. Bekomme ich während des Gassi-Gehens einen Hustenanfall, setzt er sich neben mich und wartet ab. Schmeiße ich das Inhaliergerät an, geht er auf seinen Platz und macht die Augen zu. Er weiß, jetzt passiert erst einmal nichts mehr. Meine IV[2]-Therapien mache ich als Heim-IVs. In der Zeit schlafe ich viel und bin meist nicht so fit. Kein Problem für Ole. Er schläft dann einfach auch viel und wartet auf bessere Zeiten. Seit einigen Wochen habe ich ein Sauerstoffgerät und in der Wohnung bewege ich mich mit einem 15 Meter langen Schlauch. So manches Mal verheddert er sich noch darin oder steht mal drauf. Er hat aber auch schnell verstanden, dass es Fahrrad fahren geht, wenn ich das Sauerstoffgerät von der Steckdose abmache und für‘s Rausgehen klar mache.

Ole ist an schlechten Tagen der Motivator aufzustehen, er ist mein Sportgerät, meine Verpflichtung, den Tag aktiv zu gestalten. Nur, wenn es wirklich mal nicht geht, wird mir die Verpflichtung, sich um den Hund zu kümmern, abgenommen.

Carolin und Ole - ein unschlagbares Team

Carolin und Ole – ein unschlagbares Team

Ein Hund kostet auch Geld

Ole begleitet mich hoffentlich noch einige Jahre. Ich bin eine Verpflichtung für 10 bis 15 Jahre eingegangen. Ich finde es wirklich wichtig, dies im Hinterkopf zu haben, wenn man sich einen Hund anschaffen möchte. Unabhängig von der CF ist es für mich einfach wichtig gewesen zu wissen, dass er gut versorgt ist, wenn ich mich mal nicht kümmern kann. Er ist ja ein Familienmitglied. Auch finanziell sollte man sich das vorab gut überlegen. Ein Hund kostet Geld. Nicht nur die Anschaffung, auch die monatlichen Kosten. Es ist ja nicht nur mit dem Futter getan. Auch Versicherung und Hundesteuer, Tierarztkosten, aber auch Kosten für Leinen, Halsbänder, Spielzeug, Hundekorb etc. sind zu berücksichtigen. Schnell läppert sich das. Auch kann der Hund krank werden und benötigt monatlich Tabletten, die schnell sehr teuer werden können. Sicherlich spielt das auch eine wichtige Rolle.

Ole bringt Spaß in unser Leben. Es gibt jeden Tag etwas zu lachen und wir haben viel Spaß mit ihm.

Carolin Raab

Informationen zu medizinischen Aspekten und zur Hygiene gibt es in Teil 1 unserer Blogserie „Haustiere und Mukoviszidose“

[1] Cystische Fibrose, Mukoviszidose

[2] IV = Intravenös. Gemeint sind intravenöse Antibiotika-Therapien.

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Ein Kommentar

  1. Thomas Liebscher

    Alles was du schreibst kann ich voll bestätigen. Habe seit 15 Jahren Hunde u gerade wenn das Rausgehen am schwersten fällt, war die Motivation durch die Tiere am Grössten.
    Ich habe mal überschlagen, wieviel km ich mit Hund gelaufen bin, da kommen auch bei grober Schätzung einige 1.000 zusammen, die ich wohl nie ohne Hund geschafft hätte.
    Und auch emotional ist ein solcher Begleiter von Wert. Man fühlt sich nie allein!
    Das wiegt alle Bedenken u Problem auf, die man durch ein Tier natürlich auch hat.

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