Festivals und Zelten mit Mukoviszidose

Sommerzeit ist Reisezeit. Zoë hat Mukoviszidose und liebt das Zelten. Sei es der Festivalbesuch oder der Campingurlaub. Sie hat für unseren Blog zusammengefasst, was für sie der Reiz am Zelten ist und wie sie die Krankheit und den Urlaub unter einen Hut bringt. Am Ende des Textes findet Ihr auch eine praktische Packliste zum Download.  

Als Kind war ich nicht bei den Pfadfindern. Mit meinen Freunden habe ich nur im Kinderzimmer in der selbstgebauten Kissenburg genächtigt. Im Sommer spielten meine Freundinnen und ich in der Strandmuschel im Schrebergarten meiner Oma. Aber gezeltet unter freiem Himmel, habe ich als Kind nie.

Meine späte Leidenschaft fürs Zelten wurde bei meinem ersten Musikfestival im Sommer 2010 geweckt. Mein Freund und ich hatten uns gleich für die erste Festivalerfahrung „Rock am Ring“ ausgesucht. Den kleinen Katastrophen nach zu urteilen, hätten wir uns vielleicht ein anderes Festival aussuchen sollen. Wir haben uns selbst ins kalte Wasser geworfen. Die schwüle Sommerhitze (35 Grad Celsius im Schatten), ein 45-minütiger Treck vom Zelt zum Konzertgelände und ein krachender Abschluss mit Gewitter, Starkregen und einem überschwemmten Zelt waren ebenso unvergesslich wie die Konzerte.

Jedes Zelt- oder Festivalerlebnis sollte daher gut durchgeplant sein. Überlebt haben wir es wie die restlichen 85.000 Zuschauer, nur eben mit sehr viel mehr Planung und Vorbereitungszeit.

Über die Jahre habe ich diese Planung für mich als chronisch Erkrankte „perfektioniert“. Ich bin von Natur aus keine disziplinierte Person (mein Büro versinkt regelmäßig im Chaos), deshalb schreibe ich mir etliche Packlisten.

Packlisten für normale Kleidung, Packlisten für Essen, Packlisten für „normale“ Medikament und Packlisten für Muko-Medikamente. Es gibt natürlich immer etwas, das ich vergesse, aber mit Hilfe der Listen sind es wenigstens keine überlebenswichtigen Sachen. Eine meiner Packlisten ist als Download verfügbar. Dies ist meine persönliche Liste, die Ihr Euch gerne als Vorlage herunterladen könnt. Die Liste dient als eine Art Gedankenstütze, und sollte natürlich von jedem persönlich angepasst werden.

Wenn's auf dem Festival kalt ist, gibt es auch mal Dosensuppe zum Frühstück.

Wenn’s auf dem Festival kalt ist, gibt es auch mal Dosensuppe zum Frühstück.

Festival vs. Sommerurlaub

Ich unterscheide beim Zelten zwischen zwei Arten: das Zelten bei einem Festival und das Zelten im Sommerurlaub. Das Zelten im Sommerurlaub ist etwas entspannter, da wir meistens mit dem Auto verreisen und jederzeit zu einem Arzt oder einer Apotheke fahren können. Unsere Handys können wir oft im Auto laden, ich kann jederzeit meine Ärztin anrufen und wir sind nicht „von der Zivilisation abgeschottet“.

Dagegen ist ein Festival eine Welt für sich. Hier herrscht in vielen Fällen der Ausnahmezustand, die ausgelassene Partylaune siegt bei vielen Leuten über den Verstand. Beim Festival plane ich also etwas genauer, da ich, wenn möglich, von Donnerstag bis Sonntag das Gelände nicht verlassen möchte.

Ich werde mich in diesem Beitrag auf das Zelten beim Festival beziehen, da die meisten Tipps und auch die Packliste genauso auch auf den üblichen Zelturlaub angewandt werden können.

Ich habe einige persönliche Erfahrungen für Euch hier zusammengefasst.

Der Zeltplatz

Bei vielen Festivals gibt es mittlerweile Green Camping Areas oder auch spezielle Zeltplätze für behinderte Camper, für die man sich kostenlos registrieren kann.

Green Camping wird meistens als Platz für umweltbewusste Menschen beworben. (Wer schon einmal die Bilder der Müllbeseitigungsarbeiten nach einem Festival gesehen hat, kann verstehen wieso!) Als Besucher hält man eine Nachtruhe ein, räumt jeden Tag sein persönliches Camp auf und bekommt als Belohnung dafür angenehme, meist sehr saubere Toiletten (richtige Toiletten mit Spülung und Klobrillen), Duschen, Waschtröge und Abwaschstellen angeboten. Beim normalen Festivalzeltplatz gibt es diese Sachen zwar auch, aber meiner Erfahrung nach sind diese dreckig, überfüllt, kosten zusätzlich Geld und man muss oft mindestens 30 Minuten  zum Duschen anstehen (und das meistens in der prallen Sonne). Je nach Festival kann man auf den Green Camping-Platz, wenn man sich im Voraus online kostenlos registriert hat.

Zu den speziellen Zeltplätzen für behinderte Camper kann ich leider nicht viel sagen, da ich diese noch nie besucht habe. Meistens befinden sich diese direkt neben dem Konzertgelände, um lange Gehwege zu vermeiden und bieten saubere und behindertengerechte Sanitäranlagen an. Manche Festivals, wie das Southside Festival, bieten Gästen mit einem Behindertenausweis die Möglichkeit, den VIP-Campingplatz zu nutzen. Am besten macht man sich auf den Websites der Festivals schlau, da jedes Festival unterschiedlich ist.

Man kann natürlich auch auf die normalen Festivalzeltplätze ziehen und sein Camp aufschlagen, das haben wir beim letzten großen Festival gemacht. Unsere Erfahrung war, dass es so laut war, dass man nicht einmal mit Ohrstöpseln schlafen konnte. Dazu war es wegen unserer Zeltnachbarn extrem verdreckt und unangenehm.

In jedem Fall überprüfen wir immer, wo sich auf dem Zeltplatz das nächste Sanitätszelt befindet oder wo man den nächsten Notarzt findet.

Medikamente

Die meisten rezeptfreien Medikamente kann man sich auch im Ausland kaufen; ich nehme also zum normalen Zelten z.B. nur wenig Ibuprofen mit. Bei einem Festival packe ich jedoch zusätzlich Schmerzmittel und fiebersenkende Medikamente mit ein, damit ich sie, wenn nötig, schnell einnehmen kann. Auf der Packliste findet ihr eine Liste der üblichen Medikamente, die ich mitnehme.

Zusätzliche Muko-Medikamente:
Berodualspray und Bronchitol (das kann ich beim Zelten absolut problemlos anwenden)
eFlow, Batterien, Inhaletten, Pulmozyme und Mucoclear.
Zum Auskochen: Camping-Wasserkocher, ausreichend Küchenkrepp, eine große Tupperdose.

Wie inhaliere ich bei einem Festival?

Da ich eher Verdauungsprobleme habe, komme ich meistens bei einem Festival (ca. 3 Tage) ohne Inhalieren aus. Ich nehme ACC und Bronchitol zusammen mit dem Berodualspray. Das reicht mir normalerweise aus.

Wenn ich aber doch inhalieren muss, benutze ich den eFlow mit Batterien. Ich nehme viele Inhaletten mit (mindestens 3 Stück) und inhaliere nur morgens (1-0-0) oder morgens und abends (1-0-1). Morgens ist es meistens schön kühl, die Mitreisenden schlafen noch und man kann ganz privat im Zelt inhalieren, wenn man das nicht vor seinen Freunden machen möchte.

Die Inhaletten werden im Wasserkocher gereinigt, danach mit dem Küchenkrepp ausgewischt und in die saubere Tupperdose gesetzt. Deckel zu, und alles ist für die nächste Inhalation bereit. Wenn möglich, reinige ich die Inhalette bevor ich inhaliere.

Desinfektion

Desinfektion und Hygiene – das muss man bei einem Festival ganz großschreiben. Auch beim normalen Zelten packe ich Desinfektionsmittel ein: Pumpspray für Flächen, Hände und Haut, kleine Gelfläschchen für den Gang zum (Dixi-)Klo, Desinfektionstücher für Flächen und für die Hände.

Zum normalen Händewaschen mit Wasser kann man nicht immer zur nächsten Wasserstelle laufen. Deshalb kaufen wir immer mehrere Flaschen billiges, stilles Wasser mit dem man sich, zusammen mit einer Pumpseife, die Hände waschen kann. Das Wasser kann man auch zum Zähneputzen, Haarewaschen, Kochen oder Inhaletten-Auskochen benutzen. Es gibt auch große Fünf-Liter-Wasserflaschen auf die man passend einen Pumpspender oder Hahn schrauben kann.

Ich habe bei jedem Festival und Zelturlaub mindestens ein paar Gummistiefel dabei. Es ist oft angenehmer, mit Gummistiefeln auf das Klo zu wandern als mit Flipflops, auch wenn die Sonne scheint.

Haare waschen

Haare waschen

Essen

Bei einem Festival kann man sehr einfach ausgiebig und kalorienreich essen. Man kann problemlos Süßkram und Chips einpacken, und wer dann noch nicht genug hat, kann bei einem der vielen Essensstände zuschlagen. Da das Essen bei den Ständen nicht gerade billig ist, beschränken wir uns meistens auf einen Schlemmertag mit belgischen Pommes, Falafel oder Burgern. Wer, wie ich, fett- und zuckerarm leben muss, kann am Zeltplatz lang haltbares Obst und Gemüse oder Studentenfutter knabbern. Meine besten Erfahrungen hatte ich bisher mit Äpfeln, sehr harten Birnen, Bananen, Karotten und Gurken. Wenn man alles in der Kühlbox verstaut, hat man manchmal sogar 2-3 Tage lang kühles Obst. Einfach und schnell zum Zubereiten sind natürlich Dosenravioli und -suppen und Tassensuppen. Tassensuppen haben mich schon oft spät nachts gerettet, wenn wir kalt und durchnässt nach einem Konzert am Zelt angekommen sind. Beim Zelten im Urlaub essen wir natürlich weitgehend normale Mahlzeiten, kaufen frische Zutaten auf Märkten und essen viele Salate, Suppen oder Pasta. Da wir nur zwei Kochtöpfe haben, bieten sich einfache Mahlzeiten mit viel Gemüse an.

Hartes Obst - wie Äpfel - kann man während des Festivals gut in einer Kühlbox verstauen.

Hartes Obst – wie Äpfel – kann man während des Festivals gut in einer Kühlbox verstauen.

Glückliches Zelten

Nicht jeder Urlaub ist erfolgsgekrönt und nicht jedes Festival verlief reibungslos, aber genau aus diesen Situationen habe ich viel gelernt; meine Packliste wurde immer länger und die Katastrophen wurden immer kleiner. Bisher hatte ich viel Glück und musste nur während eines Festivals ins Krankenhaus – und das „nur“, weil eine allergische Reaktion auf einen Bremsenbiss viele schöne, bunte Farben an meinem Bein hervorrief. Wir verbrachten ein paar späte Stunden im Rothenburger Krankenhaus, die Entzündungswerte im Blut wurden überprüft, mir wurde ein anti-allergisches Mittel gespritzt und am Ende war alles okay.

Und zum Abschluss meine zwei letzten Tipps in diesem Beitrag:
Hört auf euren Körper, kennt Eure eigenen (Gesundheits-)Grenzen und tut das, was Euch gut tut. So werdet Ihr ein schönes Festival- und Zelterlebnis haben.
Außerdem verreise ich immer mit Freunden, denen ich vertrauen kann. Wenn wir auf einem Festival sind, freue ich mich immer, wenn jemand dabei ist, der mir den Camping-Wasserkocher oder Kochtopf gerade hält, damit ich die Inhalette auskochen kann, mich daran erinnert, meine Kreon zu nehmen oder mich bei einem Notfall ins Krankenhaus begleitet. Und natürlich macht ein Festival mit guten Freunden am meisten Spaß.

Packliste herunterladen

Zoë Richardson, 27, aus Stuttgart, Mitglied im Vorstand der AGECF im Mukoviszidose e.V.

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