„Jeder muss lernen, einen eigenen Weg zu gehen“

Gebannter Blick auf den Monitor: Gemeinsam mit Regisseur Matthias Lang (rechts im Bild) begutachtet Felix Poser (Mitte) die gedrehte Szene. Links im Bild: Innenrequisiteurin Annika Maas

Felix Poser (Mitte) am Filmset

 

Der Filmproduzent Felix Poser, 33, hat Mukoviszidose. Wir sprachen mit ihm über seinen neuen Film „König Laurin“, der am 1. September ins Kino kommt.

 

Herr Poser, mit König Laurin haben Sie Ihren ersten Kinofilm produziert, einen märchenhaften Familienfilm, der in der mystischen Welt der Zwerge und Ritter spielt. Haben Sie eine Vorliebe für das Fantastische?

Ich persönlich mag Filme, die mich in eine andere Welt entführen. Deshalb hat mich KÖNIG LAURIN auch so gereizt. Der Film spielt zwar in einer mittelalterlichen Welt, trotzdem aber in einer mit ein paar fantastischen Elementen.

 

Der Film basiert auf der südtiroler Sage „König Laurin und sein Rosengarten“. Wie viel vom Original findet sich  im Film wieder?

Die Sage diente uns nur als Rahmen, in dem wir eine ganz eigene Geschichte erzählt haben. Unsere Hauptfigur Theo kommt in der Sage gar nicht vor. Theo ist der Sohn von einer Hauptfigur der Sage, König Dietrich, und freundet sich mit der anderen Hauptfigur der Sage an, dem Zwergenkönig Laurin. In der Sage entführt der „böse“ Zwergenkönig Laurin die Prinzessin Similde. Unsere Geschichte soll zeigen, dass Laurin eigentlich gute Motive hatte und gar nicht böse war. So gesehen erzählen wir also die Hintergründe für die Entführung von Similde.

 

In König Laurin spielt der kleine und schmächtige Königssohn Theo die Hauptrolle, der lernen muss, sich von den Vorstellungen seines Vaters zu emanzipieren. Sie sind seit Ihrer Kindheit von Mukoviszidose betroffen und haben gelernt, trotz körperlicher Beeinträchtigungen Ihren eigenen Weg zu gehen. Können Sie sich mit dem Helden der Geschichte identifizieren?

Ja, das kann ich sehr gut. Ich glaube allerdings, dass jeder in seiner Jugend lernen muss, mit seinen eigenen vermeintlichen „Schwächen“ umzugehen und diese zu akzeptieren, vielleicht sogar als Stärke zu sehen. Und das ganz gleich, ob diese nun krankheitsbedingt sind oder nicht. Deshalb denke ich, dass wir alle uns mit der Hauptfigur dieser Geschichte identifizieren können, da jeder in seiner Kindheit oder Jugend lernen muss, einen eigenen Weg zu gehen.

 

Sie sind im oberbayerischen Hausham aufgewachsen, einer sehr ländlichen Region. Brachte dies manchmal Schwierigkeiten in Bezug auf den Therapiealltag wie z.B. eine lange Anfahrt zum Physiotherapeuten  mit sich?

Wir mussten vier Mal im Jahr zur Klinik nach München fahren, was für mich als Kind aber immer ein spannender Ausflug war, meist noch verbunden mit dem seltenen Besuch in einem Fastfood-Restaurant, das es bei uns auf dem Land damals nicht gab. Ansonsten brachte es für mich keine großen Schwierigkeiten mit sich. Im Gegenteil, auf dem Land bzw. im Grünen aufzuwachsen, hat viele Vorteile.

 

Hätten Sie sich als Kind auch manchmal einen Kraftgürtel gewünscht, wie ihn der Zwergenkönig Laurin Theo schenkt?

Wer wünscht sich nicht einen Kraftgürtel, der einem die Kraft von 12 Männern verleiht?

 

Wann kam Ihnen erstmals die Idee, Filmproduzent zu werden?

Ursprünglich wollte ich Informatiker werden. Aber als ich kurz nach dem Abitur festgestellt habe, dass Informatiker tagein tagaus nur mit Computern arbeiten, hat mich das abgeschreckt. Gleichzeitig habe ich an Wochenenden mit Freunden einen Kurzfilm gedreht, nur hobbymäßig damals. Und plötzlich habe ich festgestellt, dass ich am Filmemachen nicht nur großen Spaß habe, sondern eventuell auch eine Begabung.

 

Das Thema der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift muko.info heißt „Abenteuer trotz CF“. Sie haben bisher schwerpunktmäßig Kurzfilme gedreht. Bringt die Produktion eines langen Spielfilms auch etwas Abenteuerliches mit sich?

Ich glaube, der Dreh von KÖNIG LAURIN war das größte Abenteuer meines Lebens – zumindest bisher. Das Tolle am Filmemachen ist ja, dass jeder Film ein ganz neues Abenteuer ist und man sich immer mit neuen Situationen konfrontiert sieht. Ob man Afghanistan in Bayern herstellen muss (wie bei meinem Kurzfilm NABILAH), einen mittelalterlichen Film mit Pferden, Stunts und wilden Horden in den Bergen dreht (KÖNIG LAURIN) oder ob man eine kanadische Wohnung in einem Studio nachbauen muss (wie bei meinem zweiten Kinofilm REPLACE, der 2017 ins Kino kommt), immer beschäftigt man sich mit ganz neuen Welten und Themen. Das ist jedes Mal ein großes Abenteuer.

 

Ihr Film wurde bereits vor dem offiziellen Kinostart mit Kinder-Medien-Preisen wie dem Goldenen Spatz  und dem weißen Elefanten prämiert. Wie wichtig sind Ihnen solche Auszeichnungen?

Ich habe mich natürlich sehr über den vollkommen unerwarteten Preissegen gefreut! Trotzdem ist mir persönlich wichtiger, dass meine Filme von möglichst vielen Zuschauern gesehen werden. Deshalb hoffe ich sehr darauf, dass am 1. September möglichst viele Zuschauer in KÖNIG LAURIN gehen.

 

Was sind Ihre beruflichen und persönlichen Ziele für die nächsten Jahre?

Persönlich bin ich sehr glücklich mit meinem Leben, meiner Familie, meiner Freundin. Beruflich habe ich viele Ziele und vor allem viele weitere Filmprojekte in Planung, von Komödien, über historische Serien, bis hin zu Horror- und Actionfilmen. Das Berufliche und das Persönliche lassen sich mit so einem Beruf aber auch oft nicht leicht unterscheiden.

 

Das Interview führte Marc Taistra, Mukoviszidose e.V.

 

Zum Filmtrailer: https://www.youtube.com/watch?v=XEsNXglTKxg

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