„muko.fit ist eine riesengroße Hilfe für unsere Patienten“

Klaus Mihm ist Physiotherapeut und betreut Mukoviszidose-Betroffene in der Mukoviszidose-Ambulanz im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Viele seiner Patienten haben das Interventionsprogramm muko.fit des Mukoviszidose e.V. durchlaufen. Zum zehnten Geburtstag von muko.fit haben wir ihn gefragt, wie das Programm seinen Patienten hilft.

Klaus Mihm hat schon vielen seiner Patienten das Programm muko.fit empfohlen.

Klaus Mihm hat schon vielen seiner Patienten das Programm muko.fit empfohlen.

Wie viele Ihrer Patienten haben in den letzten Jahren am Programm muko.fit teilgenommen?

Wir sind ganz froh, dass wir muko.fit haben. In Trier haben wir am Klinikum Mutterhaus eine kleine Ambulanz und betreuen sowohl Kinder als auch erwachsene CF-Patienten. Die Ambulanz ist Mitglied im CF-Verbund Rheinland-Pfalz/Saarland. Es werden zusammen 50 Patienten in der Ambulanz und bei Bedarf stationär versorgt. Wir haben in den letzten Jahren jeweils vier bis fünf Patienten pro Jahr im Programm muko.fit gehabt. Momentan sind es drei Betroffene. Einige von Ihnen konnten die Betreuung von muko.fit sogar um ein Jahr verlängern.

Wie hat das Programm den Betroffenen, die es abgeschlossen haben, geholfen?

muko.fit ist eine tolle Einrichtung des Mukoviszidose e.V.! Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas skeptisch war. Etwas Neues, wo wir doch unsere Patienten schon so umfassend betreuen. Als ich dann aber die ersten Patienten angemeldet hatte, konnte ich schnell sehen, dass muko.fit für diese Patienten einen echten Mehrwert bietet.

Haben Sie konkrete Beispiele?

Natürlich: Es war gleich der erste Patient, mit dem ich Kontakt zu muko.fit hatte: Ein erwachsener Patient, der nicht so weit von Trier entfernt wohnte, aber leider in seiner Mobilität deutlich eingeschränkt war und keinen Führerschein hatte. Busverbindungen waren nur unzureichend vorhanden. Durch die Unterstützung von muko.fit konnte er sich dann ein E-Bike leisten. Mit dem Rad ist er nach Trier zu seinem Physiotherapeuten gefahren. Gleich mehrere gute Gründe sprechen für muko.fit: zum einen der soziale Aspekt, da der Patient wieder Kontakte in die Stadt hatte. Zum anderen die sportliche Komponente, der Patient hat sich mehr bewegt und zu guter Letzt die therapeutische Komponente, der Patient konnte Termine für die professionelle ambulante Physiotherapie wahrnehmen.

Ein anderer Patient hatte sich im Haus seiner Eltern eine kleine Wohnung im Untergeschoss eingerichtet. Mit der Zeit wurde er zusehends immobiler und musste wieder zu seinen Eltern auf die Etage ziehen, weil in seiner Wohnung kein Bad mit WC war. Die Familie war finanziell nicht in der Lage, einen Umbau der Wohnung durchzuführen. Gemeinsam mit dem Sozialdienst der Villa Kunterbunt und muko.fit wurde organisiert, dass dann ein eigenes Badezimmer in seiner kleinen Wohnung eingerichtet wurde. So konnte sich der betroffene Patient ein Stück Selbstständigkeit erhalten.

Ein weiterer Patient wurde beim Führerschein unterstützt. Er wohnt in der Eifel und konnte weder zur Klinik noch zur Physiotherapie kommen. Durch den Erhalt des Führerscheins konnte er danach wieder mehr am Leben teilnehmen, eine Ausbildung machen und die Berufsschule erreichen.

Das sind ein paar Beispiele, die ohne muko.fit nicht möglich gewesen wären.

Wie würden Sie das Programm aus physiotherapeutischer Sicht bewerten?

Der Kontakt zu muko.fit ist mir ganz wichtig. Viele Dinge erfahren wir gar nicht, weil wir die Patienten nur einmal im Quartal in der Ambulanz sehen. Durch muko.fit und den regelmäßigen Austausch mit den Mitarbeitern haben wir einen engeren Kontakt zum Patienten und können den betreuenden niedergelassenen Physiotherapeuten in Absprache mit den Patienten Tipps geben und die Therapie optimieren. Viele Kollegen haben die Zusatzausbildung zum Mukoviszidose-Therapeuten nicht, und so können wir die Kollegen, die die Patienten vor Ort betreuen, beraten. Muko.fit sucht die Physiotherapeuten aus, und wir stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Das heißt, Sie würden die Teilnahme an muko.fit auch den Patienten empfehlen?

Ja, ganz sicher! In dem Rahmen, in dem das möglich ist und dort, wo es gebraucht wird. Wir haben viele Patienten, die selbständig sind und aktiv werden, aber es gibt eben auch die anderen Patienten, die Dank muko.fit, der sportlichen Betreuung durch Dr. Corinna Moos-Thiele und ihrer Kollegin Rebekka Lenz und der sozialen Betreuung durch Sven Hoffmann und Helga Nolte wieder aktiv werden. Die einen bekommen Trainingspläne erstellt, bei anderen werden Kontakte zu Sportvereinen oder Fitnessstudios hergestellt und so ein Sportprogramm angeboten. Bei wieder anderen werden soziale Probleme angegangen, telefonische Beratung durchgeführt und Kontakt zu Hilfen vor Ort hergestellt. Bei mehr als 90 Prozent der Patienten, die an muko.fit teilgenommen haben, haben wir wirklich viel erreichen können. Nur wenige Patienten haben für sich festgestellt, dass muko.fit nicht weiterhelfen kann.

Können Sie uns eine abschließende kurze Bewertung des Programms geben?

Muko.fit ist eine riesengroße Hilfe für die Patienten, die tatsächlich nicht oder wenig mobil sind und sich selbst wenig zutrauen. Es ist eine große Bereicherung gerade für die Patienten, die weit von der Ambulanz entfernt wohnen – das ist bei unserem großen Einzugsgebiet eine sehr wertvolle Unterstützung.

Darüber hinaus bin ich begeistert über die enge Zusammenarbeit mit den muko.fit-Mitarbeitern.

 

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Juliane Tiedt.

 

muko.fit: Besonderes Beratungsangebot für Betroffene

Mit muko.fit hat der Mukoviszidose e.V. ein besonders Beratungsangebot für Mukoviszidose-Betroffene ins Leben gerufen. Das Programm richtet sich an Patienten, die ihren Alltag –  aufgrund einer schwierigen gesundheitlichen Situation oder aber aufgrund von (psycho-)sozialen Problemlagen – kaum mehr bewältigen können. Die psychosoziale und sportwissenschaftliche Unterstützung von muko.fit hat das Ziel, die gesundheitliche Situation der Betroffenen zu stabilisieren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Das muko.fit-Team arbeitet dabei eng mit den Patienten und dem behandelnden Ambulanzteam zusammen.

Weitere Informationen zu muko.fit

 

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