Wie beeinflussen chronische Pseudomonas-Infektionen die Immunantwort von CF-Betroffenen bei Virusinfektionen?

„EinBlick in die Forschung“ von Prof. Gernot Rohde

Der Mukoviszidose e.V. fördert viele unterschiedliche Forschungsprojekte zur Mukoviszidose. Mit der neuen Reihe „EinBlick in die Forschung“ möchten wir mit Euch einen Blick in die Projekte der von uns geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werfen. Heute stellen wir Euch das aktuelle Projekt von Prof. Gernot Rohde vor, der mit seiner Arbeitsgruppe zu den Zusammenhängen und Wechselwirkungen von chronischen bakteriellen Infektionen – z.B. mit Pseudomonas aeruginosa – und Virusinfektionen bei CF-Betroffenen forscht. Ziel ist es, mit diesen Erkenntnissen das therapeutische Management bei Infektionen zu verbessern und eine mögliche klinische Verschlechterung frühzeitiger zu erkennen. Das Projekt wird über die Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V. mit 20.000 Euro unterstützt.

Welche Frage(n) soll Ihr Projekt beantworten?

Wir wollen die Frage beantworten, ob eine vorbestehende chronische Infektion mit Pseudomonas aeruginosa die Immunantwort von CF-Betroffenen auf virale Atemwegsinfektionen verändert. Dies könnte beispielsweise zu einer größeren Anfälligkeit der Betroffenen und zu einem schwerwiegenderen Verlauf solcher Infektionen führen.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Rohde im Labor: Prof. Rohde, Dr. Bellinghausen, Dr. Hügel (v.l.). Foto: Mukoviszidose e.V.
Die Arbeitsgruppe um Prof. Rohde im Labor: Prof. Gernot Rohde, Dr. Carla Bellinghausen, Dr. Christian Hügel (v.l.). Foto: Mukoviszidose e.V.

Warum sind diese Fragen wichtig?

Ein großer Teil der erwachsenen Patienten mit Mukoviszidose ist von chronischen Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa betroffen. Dies ist für die Patienten mit häufigeren akuten Verschlechterungen der Lungenerkrankung verbunden und geht insgesamt mit einer schlechteren Prognose und Lebensqualität einher. Bislang ist jedoch leider unzureichend untersucht, ob eine vorbestehende Infektion mit Pseudomonas aeruginosa auch die Anfälligkeit für virale Atemwegsinfektionen und die Verlaufsschwere dieser Infektionen verändern kann. Experimente mit Zellkulturen im Labor durch Herrn Dr. Adrian Endres haben uns erste Hinweise darauf gegeben, dass Pseudomonas aeruginosa Botenstoffe des Immunsystems abbauen kann, die für die Antwort des Körpers auf Virusinfektionen wichtig sind. Jetzt gilt es zu überprüfen, ob diese und ähnliche Mechanismen auch in chronisch infizierten Mukoviszidose-Patienten eine Rolle spielen.

Welchen Nutzen erwarten Sie für CF-Patienten?

Falls sich unsere Hypothese bewahrheitet und Patienten mit chronischen Pseudomonas aeruginosa-Infektionen besonders anfällig für virale Atemwegsinfektionen sind, könnten besondere Vorsichtsmaßnahmen vor Virusinfektionen für diese Patientengruppe empfehlenswert werden. Durch unsere Arbeit möchten wir allerdings auch herausfinden, welche Botenstoffe und Signalwege des Immunsystems hierbei genau verändert sind. Diese stellen potenzielle therapeutische Ziele dar. In der Zukunft könnten dann neue Medikamente die durch Pseudomonas aeruginosa verursachten Veränderungen der Immunantwort ausgleichen oder sogar verhindern.

Dr. Adrian Endres ist ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe und führt maßgeblich die Laborarbeiten durch. Foto: Mukoviszidose e.V.
Dr. Adrian Endres ist ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe und führt maßgeblich die Laborarbeiten durch. Foto: Mukoviszidose e.V.

Welche Experimente führen Sie zur Beantwortung Ihrer Fragen durch?

Am Christiane Herzog CF-Zentrum Frankfurt am Main werden unter der Leitung von Oberarzt Dr. Christian Hügel jeweils 15 Patienten mit bzw. ohne chronische Pseudomonas aeruginosa-Infektion an unserer Studie teilnehmen. Diese Patienten werden in den Wintermonaten zusätzlich zu ihren regulären Kontrolluntersuchungen jeden Monat einen Nasenabstrich zur Untersuchung auf Atemwegsviren abgeben. Bei Anzeichen eines Atemwegsinfektes – zum Beispiel Husten, Halsschmerzen oder verstopfter Nase – kommen die Patienten außerdem in die Klinik, um ihre Lungenfunktion zu messen, sowie Nasenabstriche, Sputum und Blutproben abgenommen zu bekommen. Wir vergleichen dann die Konzentrationen verschiedener Entzündungsmediatoren und Signalstoffe des Immunsystems, Veränderungen der Lungenfunktion und das Auftreten der verschiedenen Atemwegsviren zwischen Patienten mit und ohne chronischer Pseudomonas aeruginosa-Infektion. Die Analysen dieser Proben im Labor wird koordiniert durch Frau Dr. Carla Bellinghausen.

Forschung ist heute eine Gemeinschaftsaufgabe, deshalb freue ich mich besonders über die ausgezeichneten Kooperationen innerhalb des Universitätsklinikums Frankfurt. Die Untersuchung der Nasenabstriche auf verschiedene Atemwegsviren erfolgt durch das Institut für medizinische Virologie (Prof. Sandra Ciesek) und für die Messung einiger Entzündungsmediatoren können wir auf etablierte Verfahren des Forschungslabors für experimentelle Pneumologie der Kinderklinik (Prof. Ralf Schubert) zugreifen.

Warum haben Sie sich beim Mukoviszidose e.V. um eine Projektförderung beworben?

Der Mukoviszidose e.V. und wir haben einen gemeinsamen Anspruch: das Leben mukoviszidosekranker Menschen zu verbessern. Translationale Forschungsprojekte wie das hier Vorgestellte sind zentral, um Ergebnisse der Grundlagenforschung from bench to bedside – „zum Menschen zu bringen“.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei dem Projekt!

Wir werden das Projekt mit unserer Berichterstattung weiter begleiten.

Das Interview führte Carola Wetzstein.

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Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V.

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