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Plötzlich musste alles ganz schnell gehen – Chiaras Transplantationsgeschichte

Chiara lebt mit Mukoviszidose und hat letztes Jahr einiges erlebt: Eigentlich war sie noch gar nicht für eine Transplantation gelistet, doch durch einen gesundheitlichen Einbruch war dies ihre letzte Chance. Nach vier Wochen Wartezeit, die sie auf der Intensivstation verbrachte, erhielt sie den rettenden Anruf. Zum Tag der Organspende erzählt sie hier im Blog ihre Geschichte.

Hallo zusammen, mein Name ist Chiara, ich bin 27 Jahre alt. Ich wurde heute hierher eingeladen, um am Tag der Organspende meine Geschichte zu erzählen. 

Organspende ist ein sehr wichtiges Thema, mit dem wir von klein auf im Hinterkopf aufwachsen. Ich selbst wusste schon immer, dass irgendwann die Zeit kommen würde. Doch dass es dann so schnell geht, hätte niemand ahnen können.

Ein schwieriges Jahr

Das Jahr 2025 hatte es in sich. Ich war ständig in der Klinik, zusammengerechnet etwa ein halbes Jahr in der Thoraxklinik in Heidelberg. Die Infekte summierten sich. Deshalb entschieden wir letztes Jahr im September, mich zur Sicherheit noch einmal in München an der LMU vorzustellen, um ihre Einschätzung meiner Lage zu hören. Denn seit Juli 2025 war ich nicht mehr nur bei Infekten auf Sauerstoff angewiesen, sondern trug ihn inzwischen dauerhaft.

München sagte mir, es sei noch zu früh, um an eine aktive Listung zu denken. Ich solle aber trotzdem schon einmal die Voruntersuchungen machen lassen für alle Fälle. Mein Glück war, dass durch meine kompetente Ärztin bereits viele Untersuchungen gemacht worden waren, da sie wusste, was passieren kann, wenn es einmal hart auf hart kommt.

Mein Leben ging weiter. Ich erlitt einen sehr großen Verlust, denn mein Lieblingsonkel verstarb. Ich fuhr nach Italien, um ihn noch rechtzeitig zu sehen. Das ging allerdings nur mit der Fähre, da spontanes Fliegen mit Sauerstoff nicht so einfach und spontan machbar ist.

Im Dezember feierten wir groß den 50. Geburtstag meiner Mutter, da haben wir die Sau rausgelassen. Anschließend feierten wir ein paar Tage später Silvester, und direkt im neuen Jahr sind wir zum Chiemsee gefahren und haben dort vier Tage gecampt.

Plötzlicher Zusammenbruch

Zu Hause angekommen ging es mir abends plötzlich schlecht. Wir mussten den Notarzt rufen, denn selbst 6 Liter Sauerstoff reichten nicht mehr aus. Ich hatte blasse Lippen und blasse Nägel. Die Zeit verging kaum, während wir auf den Notarzt warteten.

Und somit fing mein Weg an. Ich stieg in diesen Krankenwagen und bekam eine PEP-Maske. Ich weigerte mich, sie zu tragen, sodass ich Morphin bekam. Ab diesem Moment erinnere ich mich an gar nichts mehr.

Ich kam am 4. Januar 2026 in die erste Klinik – und wachte erst am 25. Februar wieder auf.

Von Albstadt wurde ich direkt am nächsten Tag nach Heidelberg gebracht, da dort meine zuständige Klinik ist. Nach nur einer Nacht auf der Normalstation bemerkten die Ärzte, dass etwas ganz gewaltig nicht stimmte, und verlegten mich sofort auf die Intensivstation. Dort stellten sie fest, dass mein CO₂-Wert im Blut immer weiter anstieg. Ich war bereits nicht mehr richtig zurechnungsfähig, sodass sie kaum noch etwas für mich tun konnten, außer München zu kontaktieren. Doch die Kriterien für eine Listung standen sehr schlecht: extrem hohe Entzündungswerte und ich war zu krank, um eine Operation überhaupt zu überleben.

Künstliches Koma und ECMO

Meine Familie war zu diesem Zeitpunkt völlig am Ende. Doch dann kam mein Glück: Jemand, der mich kannte, setzte sich für mich ein, legte ein gutes Wort ein und kontaktierte erneut München. Schließlich wurde ein Kompromiss gefunden: Wenn es gelingen würde, mir eine ECMO anzulegen – was in meinem Zustand ein sehr großes Risiko darstellte – würden sie einen Helikopter schicken und mich abholen.

Zu diesem Zeitpunkt lag ich bereits im künstlichen Koma, zu meiner eigenen Sicherheit. Durch den hohen CO₂-Wert hätte ich nicht mehr lange durchgehalten. Ihr müsst Euch vorstellen: Ich wollte auf die Toilette gehen und zog mir dabei mein T-Shirt aus, weil mein Gehirn einfach nicht mehr richtig funktionierte.

Meine geliebte Familie war die ganze Zeit an meiner Seite und zitterte vor Angst, während sie darauf wartete, dass die ECMO erfolgreich angelegt wird. Als alles gut verlief, ging plötzlich alles ganz schnell: Sie holten mich ab und mein Weg begann.

Inzwischen war es der 9. Januar, als ich auf der Intensivstation der LMU lag. Dort begannen sie direkt mit den noch fehlenden Voruntersuchungen – Frauenarzt, Hautarzt und HNO. All das geschah, ohne dass ich etwas davon mitbekam. Dennoch konnte ich zunächst noch nicht auf die Liste gesetzt werden, da meine Entzündungswerte weiterhin viel zu hoch waren.

Nach vier Wochen Wartezeit kam der Anruf

Doch am 15. Januar geschah ein Wunder: Die Werte fielen, und um Punkt 12 Uhr wurde ich auf die Liste gesetzt. Es war so dringend, dass die Entscheidung per Videocall zwischen den Ärzten getroffen wurde – normalerweise finden solche Sitzungen nur einmal pro Woche statt. Doch meine Situation war zu kritisch, um auch nur eine weitere Minute zu warten.

Dann begann das Warten.

Genau vier Wochen später, am 15. Februar, kam der Anruf, der alles veränderte.

Diese vier Wochen waren – wie mir später erzählt wurde – geprägt von großem Leid. Ich verbrachte die Tage weinend vor Schmerzen, sodass ich die meiste Zeit sediert werden musste. Immer wieder versuchte ich sogar, mir die ECMO zu ziehen. Nur wenn meine Mutter bei mir war, wurde ich ruhiger und verhielt mich normal.

Meine Mutter war vom ersten bis zum letzten Tag an meiner Seite. Auch mein Mann und meine zwei Brüder besuchten mich so oft wie möglich. Nur durch sie konnte ich diese schwere Zeit überstehen.

Bei Chiara war es denkbar knapp

Ich bin unendlich dankbar für dieses Geschenk. Doch es war alles andere als ein Kinderspiel. Die neue Lunge kam genau zur richtigen Zeit, ich hätte nicht mehr lange gelebt, trotz ECMO. Nach sieben Wochen Intensivstation, drei Wochen Normalstation und drei Wochen Reha habe ich es geschafft.

Jetzt lebt Chiara ein anderes Leben

Heute fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Ich kann wieder atmen, etwas das ich früher nicht behaupten konnte. Endlich kann ich mit meinem Neffen spielen, mit dem Hund spazieren gehen und Fahrrad fahren, was ich so sehr liebe.

Ich muss gestehen: Ich hätte niemals erwartet, so schnell eine neue Lunge zu bekommen. Umso dankbarer bin ich, vor allem, weil ich von allem nichts mitbekommen habe, fünf Wochen meines Lebens sind einfach ausgelöscht, in denen all das passiert ist.

Wenn ich Euch etwas mit auf den Weg geben darf, dann ist es Folgendes: Wartet niemals bis zum allerletzten Moment, auch wenn Ärzte vielleicht anderer Meinung sind. Ihr kennt Euren Körper am besten und wisst, wann die Zeit gekommen ist. Vertraut auf Euer Bauchgefühl.

Das Leben ist zu schön, um es nicht leben zu wollen.

Wenn Euch interessiert, wie ich mein Leben trotz allem vor der Transplantation gelebt habe, dann habe ich im letzten Jahr ein eigenes Buch veröffentlicht: „Für die Mukoviszidose leben? Nein! Mit ihr!“. Es ist ein echtes Herzensprojekt von mir, und ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr einen Blick hineinwerft.

Ich hoffe, meine Geschichte hat Euch gefallen.

Chiara

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Zuletzt aktualisiert: 23.03.2026