Liebe Swaantje, Du hast gerade erst öffentlich gemacht, dass Du Mukoviszidose hast. Warum bist Du damit an die Öffentlichkeit gegangen?
Ich bin im August 2024 damit an die Öffentlichkeit gegangen, weil ich wieder ins Krankenhaus musste. Ein Keim hatte sich erneut in meiner Lunge festgesetzt und ich brauchte eine intravenöse Antibiotikatherapie. Meine Community auf Instagram @swaantjetaube hat das natürlich mitbekommen und viele hatten sofort Angst, dass mein Brustkrebs zurück ist.
Das war er nicht. Aber ich wusste: Ich muss erklären, was wirklich los ist.
Die Diagnose Mukoviszidose hatte ich da schon länger, sie wurde bei mir erst mit 50 Jahren festgestellt, im Zuge meiner Brustkrebserkrankung. Vorher habe ich das bewusst nicht öffentlich gemacht, weil ich auch erst selbst verstehen musste, was das bedeutet.
Der Wendepunkt war dieser Krankenhausaufenthalt. Ich habe gemerkt: Wenn ich offen darüber spreche, nehme ich nicht nur Sorgen, ich kann auch aufklären.
Und genau das ist passiert. Es haben sich Menschen gemeldet, die Parallelen erkannt haben. Eine Mutter hat mir geschrieben, weil ihre 18-Jährigen Zwillingskinder auch immer gehustet haben und bei ihnen derselbe Keim wie bei mir nachgewiesen wurde. Auf Mukoviszidose waren sie bis dahin noch nicht untersucht worden. Da wurde mir klar, welchen Unterschied ich machen kann. Auch bei jungen Menschen, die ihr Leben noch voll und ganz vor sich haben.
Mukoviszidose wird oft mit schweren Verläufen im Kindesalter verbunden. Dass es auch mildere genetische Formen gibt, die erst spät erkannt werden, wissen viele nicht. Ich bin selbst der Beweis dafür.
Heute bekomme ich eine Therapie, die mein Leben komplett verändert hat. Meine Lunge ist frei, der Husten ist weg. Das ist für mich ein Geschenk. Und genau deshalb spreche ich darüber. Weil es da draußen Menschen gibt, die vielleicht noch gar nicht wissen, was wirklich hinter ihren Symptomen steckt.

Dass Du Mukoviszidose hast, wurde erst spät entdeckt, als Du gerade wegen Deiner Brustkrebserkrankung behandelt wurdest. Wie hast Du es geschafft, in diesem Moment nicht aufzugeben?
Ich habe es in dem Moment ehrlich gesagt gar nicht wirklich richtig realisiert. Ich war mitten in der Brustkrebstherapie und komplett im Überlebensmodus. Die Diagnose Mukoviszidose lief irgendwie parallel mit, aber mein Kopf hatte dafür keinen Platz.
Ich musste die Krebstherapie abbrechen, obwohl ich unbedingt weitermachen wollte. Die Ärztinnen und Ärzte haben mir ganz klar gesagt: Wenn wir so weitermachen mit der Therapie, überleben Sie das nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu stoppen und zu hoffen, dass es gereicht hat.
Dann kam die Operation, das Warten auf den Befund, die Auseinandersetzung mit dem BRCA1-Gen und die Entscheidung, mir auch die gesunde Brust vorsorglich abnehmen zu lassen. Das war eine Phase voller Entscheidungen und Unsicherheit. Da hatte ich schlicht keine Kapazität, noch eine zweite schwere Diagnose emotional zu verarbeiten.
Erst als beim Krebs alles in trockenen Tüchern war, habe ich wirklich verstanden, was da mit meiner Lunge passiert ist. Wie ernst das ist. Dass dieser Keim meine Lunge zerstören kann, wenn ich nichts tue.
Und genau da kam mein Mindset ins Spiel. Ich habe mich nicht in die Angst ziehen lassen, sondern habe gemacht, was ich immer mache: Situation annehmen, Fakten anschauen, ins Handeln kommen. Schritt für Schritt.
Ich habe meine Therapie durchgezogen, Infusionen, Inhalationen, über Monate und Jahre. Ich war zu Hause im Grunde meine eigene Krankenschwester. Es war hart, und ja, ich habe fast mein Gehör verloren. Aber ich habe meine Lunge behalten.
Und heute, mit der richtigen Medikation, ist mein Leben ein anderes. Mein Husten ist weg. Das ist für mich ein Geschenk.
Ich glaube, was mir wirklich geholfen hat, ist diese Klarheit: Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn das Problem einen Namen hat, kannst Du anfangen, es zu lösen.

Du hast erzählt, dass Du quasi Dein ganzes Leben lang Husten hattest, für den man keine Ursache gefunden hat. Was hat sich durch die Diagnose für Dich verändert?
ALLES! Und ich meine das genau so.
Ich habe mein ganzes Leben gehustet. Jeden Tag. Morgens oft stundenlang. Eine belegte Stimme, Schleim, dieses ständige Gefühl, dass da etwas in der Lunge sitzt, das nicht raus will.
Heute ist das weg.
Durch die Medikamente ist meine Lunge frei. Kein Husten mehr. Kein Abhusten. Kein ständiges Räuspern. Ich kann frei atmen.
Und trotzdem: Ich habe natürlich nicht mehr die volle Kapazität meiner Lunge. Ich merke, dass ich schneller kurzatmig werde. Das ist geblieben. Aber dieses Gefühl von Enge, von Schleim, von ständigem Husten. Das ist verschwunden. Ein Physiotherapeut wollte noch Sputum lösen, um zu prüfen, ob der Keim noch da ist. Es kam nichts mehr. Seine Worte waren: „Es ist furztrocken.“. Und genau so fühlt es sich an.
Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist ein komplett anderes Leben. Für mich ist das: mein persönliches WUNDER. Ich könnte heulen vor Glück.

Du hast nach der Brustkrebsbehandlung noch einmal von vorne angefangen, Dir eine ganz neue Existenz aufgebaut. Wie kam es dazu und wo hast Du die Kraft dafür hergenommen?
Die Idee ist während meiner Erkrankung entstanden. Ich lag 2020, mitten in Corona, zu Hause auf dem Sofa. Mein Mann und meine Kinder waren auch da, alles lief im Ausnahmezustand. Und ich habe mir über soziale Medien angeschaut, was da draußen passiert.
Dabei bin ich auf eine Frau gestoßen, die offen über ihre Brustkrebserkrankung gesprochen hat. Ähnliche Situation wie ich. Triple-negativ. Und sie hat einfach gezeigt, wie sie da durchgeht. Das hat mir unfassbar geholfen.
Ich wollte damals mit niemandem sprechen, keine Therapie, keine Gespräche. Ich wollte meine ganze Energie auf meinen eigenen Weg richten. Aber durch sie hatte ich das Gefühl: Ich bin nicht allein. Wenn sie das schafft, schaffe ich das auch.
In dieser Zeit habe ich einen Pakt mit mir geschlossen. Wenn ich das überstehe, gehe ich raus und gebe das zurück. Weil ich selbst erlebt habe, wie viel Kraft darin liegt, wenn jemand ehrlich teilt, was wirklich ist.
2021 habe ich dann angefangen. Erst ganz vorsichtig. Mein erstes Foto auf Instagram, kurze, lockige Haare nach der Chemo. Mode war der Einstieg, aber schnell kam mehr dazu.
Ich habe für mich entdeckt, was es wirklich bedeutet, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Ernährung, Krafttraining, Wechseljahre, Longevity. Ich wollte nie wieder in diese Situation kommen, so abhängig zu sein, so ausgeliefert. Und genau das hat mir Kraft gegeben. Dieses Gefühl: Ich kann selbst etwas tun.
Mit 52 habe ich dann die Entscheidung getroffen, mich neu aufzustellen. Noch einmal von vorne anzufangen. Nicht, weil ich musste, sondern weil ich wollte. Heute ist das meine Aufgabe: Frauen zu zeigen, dass ein Neuanfang jederzeit möglich ist.

Du hast auch ein Buch geschrieben. „Happiness & Longevity: Das Mut- und Mitmach-Buch für Frauen 50+“ – wie ist Dir die Idee dazu gekommen?
Die Idee kam tatsächlich nicht zuerst von mir, sondern von einem Verlag, der auf mich zugekommen ist.
Ich hatte das Thema Longevity für mich selbst entdeckt, ausgelöst durch meine eigene Geschichte. Nach der Brustkrebserkrankung und dem abrupten Einstieg in die Wechseljahre habe ich gemerkt, dass viele meiner Beschwerden nicht nur damit zu tun hatten, sondern auch mit hormonellen Veränderungen.
Ein Vortrag von einer Ernährungswissenschaftlerin und einem Sportwissenschaftler war da ein echter Wendepunkt für mich. Da habe ich verstanden, wie viel ich selbst beeinflussen kann.
Ich habe angefangen, mich intensiv mit den Grundlagen eines gesunden, langen Lebens zu beschäftigen. Mindset, Ernährung, Schlaf und Bewegung, vor allem Krafttraining. Und ich habe gemerkt, was das mit mir macht. Mehr Energie, mehr Stabilität, mehr Vertrauen in meinen Körper.
Das habe ich auf Instagram geteilt. Und es kamen immer mehr Fragen. Immer wieder: Kannst Du dazu mehr machen? Kannst Du das genauer erklären?
Da wurde mir klar: Social Media ist zu kurz, zu flüchtig. Für dieses Thema braucht es Tiefe. Als dann die Anfrage vom Verlag kam, war für mich sofort klar: Das ist der richtige Schritt.
Ich wollte meine Geschichte erzählen, aber vor allem wollte ich ein Buch schreiben, das ins Handeln bringt. Mit konkreten Tipps, mit Struktur, mit einem 30-Tage-Fahrplan, den man wirklich umsetzen kann.
Und mir war wichtig, das wirklich ganzheitlich zu denken: Körper, Geist und Seele. Und gleichzeitig auch die äußere Seite mitzunehmen. Mode und Beauty sind für mich kein oberflächliches Thema, sondern Teil von Haltung, Ausstrahlung und Selbstgefühl. Gerade nach meiner Erkrankung, als mir die Haare ausgefallen sind, habe ich selbst erlebt, wie viel es verändert, wenn man sich auch nach außen wieder stark fühlt.
Für mich ist das kein theoretisches Wissen. Das ist mein Leben.
Gerade auch mit einer chronischen Erkrankung im Hintergrund weiß ich, wie entscheidend ein starker Körper ist. Mein Lifestyle ist für mich kein Trend, sondern eine Form von Selbstschutz. Und genau das wollte ich weitergeben.
Warum ist Longevity für Dich so ein wichtiges Thema?
Weil ich einmal ganz unten war.
Ich stand vor der Wand und konnte nichts mehr. Ich musste künstlich ernährt werden und habe bei null wieder angefangen. Laufen, Kraft aufbauen, mich Schritt für Schritt zurück ins Leben holen.
Und da habe ich für mich entschieden: Da will ich nie wieder hin.
Mir ist damals klar geworden, was Gesundheit wirklich bedeutet. Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch. Die Fähigkeit, selbstständig zu sein. Mich zu bewegen. Klar im Kopf zu bleiben.
Ich möchte nicht, wie es die Statistik zeigt, die letzten Jahre meines Lebens krank verbringen. Ich möchte meine Gesundheitsspanne so lange wie möglich erhalten. Im besten Fall genauso lang wie meine Lebensspanne.
Dazu kommt meine Geschichte. Brustkrebs. Mukoviszidose. Ich habe ein erhöhtes Risiko. Aber genau deshalb sehe ich es nicht als Bedrohung, sondern als Auftrag.
Ich kann etwas tun. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Mindset. Das sind für mich Werkzeuge. Ich merke ja, was passiert: Meine Werte sind besser, meine Lunge ist stabiler, meine Schmerzen sind weg, ich habe mehr Energie.
Und es geht nicht nur um den Körper. Meine Mutter war an Demenz erkrankt. Auch das prägt. Ich will klar bleiben, präsent bleiben, mein Leben bewusst leben.
Longevity ist für mich kein Konzept. Es ist Selbstschutz. Und es gibt mir etwas, das unbezahlbar ist: Kraft und Vertrauen.
Gibt es noch etwas, das Du gerne loswerden würdest?
Ich freue mich sehr über den Austausch und darüber, hier auf dieser Plattform sprechen zu können.
Ich bin ja selbst erst spät mit der Diagnose dazugekommen, weil meine Form lange unerkannt war. Umso wichtiger ist es mir, meinen Weg zu teilen und zu zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, die eigene Lebensqualität aktiv zu beeinflussen.
Ich bin überzeugt, dass wir voneinander lernen können. Gerade in so einer Community steckt unglaublich viel Wissen, Erfahrung und Unterstützung.
Und wenn ich einen Wunsch äußern darf: Trau Dich, ins Handeln zu kommen.
Du musst nicht alles auf einmal verändern. Aber fang an. Gerade Krafttraining hat für mich einen enormen Unterschied gemacht. Für meine Kraft, meine Stabilität und meine Lebensqualität.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Wir haben nicht alles in der Hand. Aber wir haben mehr Einfluss, als wir oft denken.
Das Interview führte Juliane Tiedt.

Dr. Swaantje Taube, 55, verheiratet, zwei Kinder, ist promovierte Volljuristin und war viele Jahre als Anwältin tätig. Heute ist sie Autorin, Speakerin und Mutmacherin.
Auf ihrem Blog „Das Swaantje Taube Magazin“ sowie auf Instagram unter @swaantjetaube inspiriert sie Frauen, insbesondere 50plus, rund um die Themen Longevity, gesunde Ernährung, Bewegung, Mindset, Mode, Beauty und Lifestyle. Zudem ist sie als Styling-Profi in der ZDF-Sendung „That’s My Style“ zu sehen, die in der ZDF-Mediathek abrufbar ist. Die zweite Staffel folgt 2026.
Ihr Anliegen ist klar: Frauen in der zweiten Lebenshälfte zu ermutigen, diese Zeit bewusst zu gestalten, sich in ihrem Körper wohlzufühlen und mit Energie und Selbstvertrauen sichtbar zu bleiben.
Ihr Buch „Happiness & Longevity – Das Mutmachbuch für Frauen 50+“ ist im Christian Verlag erschienen.
Alle Bilder auf dieser Seite stammen von Dr. Swaantje Taube.