Kaftrio und andere Medikamente: Zusammentreffen in der Leber

Viele Mukoviszidose-Betroffene in Deutschland können inzwischen vom neuen CFTR-Modulator Kaftrio profitieren. Bei der Einnahme von Kaftrio kann es aber zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und auch Nahrungsmitteln kommen. In unserem Blogeintrag erklären wir, was dabei im Körper passiert und worauf Ihr achten solltet.

Kaftrio-Kapseln
Kaftrio kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.

Wie werden Medikamente im Körper abgebaut?

Kaftrio wird zusätzlich zu den bisherigen symptomatischen Therapien eingenommen. Da Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) eine Multiorganerkrankung ist, können bei der Behandlung einige Arzneimittel zusammenkommen. Doch alle diese Medikamente sind trotz ihrer guten Wirkung auch Fremdstoffe für den Körper, die wieder abgebaut und aus dem Körper geschleust werden müssen. Genauer gesagt übernimmt diese Aufgabe im menschlichen Körper die Leber. Noch genauer gesagt handelt es sich um bestimmte Enzymsysteme, z.B. das CYP3A. Diese Substanz mit dem komplizierten Kürzel ist eines der zentralen Enzyme zum Abbau von körperfremden Stoffen.

Viele verschiedene Medikamente können das Abbausystem überlasten

Sehr viele Arzneimittel werden über dieses Enzymsystem in der Leber abgebaut bzw. verstoffwechselt. Deshalb kann es an dieser Stelle zu Wechselwirkungen kommen. Denn auch die Wirkstoffe von Kaftrio, also Elexacaftor, Tezacaftor und Ivacaftor werden durch CYP3A in der Leber abgebaut. Man nennt diese Arzneimittel Substrate von CYP3A. Sind gleichzeitig besonders viele Substrate in der Leber vorhanden, die alle von CYP3A abgebaut werden sollen, kommt es zu einem Stau und die Arzneimittel werden langsamer abgebaut. Das kann dazu führen, dass die Konzentrationen der Arzneimittel im Körper zu hoch ist – und auch das Risiko für Nebenwirkungen steigt.

Andere Wirkstoffe und Nahrungsmittel können Abbau fördern oder verringern

Abbildung: Wechselwirkungen beim Abbau von Kaftrio im Körper

Abbildung: Wechselwirkungen beim Abbau von Kaftrio im Körper

Darüber hinaus gibt es Substanzen, die das Enzym CYP3A hemmen (Inhibitoren oder Hemmstoffe) oder die dessen Wirkung verstärken (Induktoren). Induktoren können zu einem verstärkten Abbau der Kaftrio-Wirkstoffe führen. Dann ist weniger Kaftrio vorhanden und seine Wirkung kann abgeschwächt werden. Andersherum können Hemmstoffe des CYP3A dazu führen, dass zu viel Kaftrio vorhanden ist, was wiederum zu verstärkten Nebenwirkungen führen kann.

Wenn Hemmstoffe des CYP3A zusätzlich zu Kaftrio eingenommen werden, sollte darüber der Arzt informiert werden, damit dieser die Dosis von Kaftrio anpassen kann. Denn es wird ja nicht so viel benötigt, weil weniger über CYP3A abgebaut wird. Nimmt man also von vorneherein weniger Kaftrio, läuft man nicht Gefahr, dass die Menge an Kaftrio nachher im Körper zu hoch ist und man Nebenwirkungen befürchten muss. Für diese Dosisanpassungen gibt es gute Erfahrungswerte und die Ärzte wissen, wie sie die Dosis anpassen können. Leider kann aus Sicherheitsgründen bei Induktoren von CYP3A nicht einfach eine höhere Dosis Kaftrio eingenommen werden. Die gleichzeitige Einnahme von CYP3A-Induktoren und Kaftrio sollten Betroffene deshalb vermeiden.

Neben Arzneimitteln gibt es auch in manchen Nahrungsmitteln Substanzen, die über die Leber und das CYP3A abgebaut werden. Auch mit Nahrungsmitteln kann es Wechselwirkungen geben (s. Tabelle).

Nun kann aber nicht nur der Abbau von Kaftrio beeinträchtigt sein. Umgekehrt kann auch Kaftrio die Wirksamkeit oder Verträglichkeit anderer Medikamente durch Wechselwirkungen beeinflussen (z.B. beim gerinnungshemmenden Medikament Warfarin, bei Digoxin zur Behandlung bestimmter Herzkrankheiten oder beim Diabetes-Medikament Repaglinid). In solchen Fällen kann es sein, dass eine Überwachung notwendig ist.

Beispiele für Medikamente, die über das CYP3A Wechselwirkungen mit Kaftrio verursachen können:

CYP3A-Substrate/CYP3A-HemmstoffeCYP3A-Induktoren
BeispieleItraconazol (zur Behandlung von Pilzinfektionen)
Erythromycin (Makrolid-Antibiotikum)
Voriconazol (zur Behandlung von Pilzinfektionen)
Sirolimus, Ciclosporin (Immunsuppressiva z.B. nach Organtransplantation)
Grapefruitsaft  
Rifampicin (Antibiotikum)
Johanniskraut (pflanzliches Mittel bei leichten Depressionen)  
EffektEs wird weniger Kaftrio abgebaut, d.h. es ist mehr Kaftrio vorhanden. Risiko für erhöhte Nebenwirkungen  Es wird mehr Kaftrio abgebaut, d.h. es ist weniger Kaftrio vorhanden. Das bedeutet die Wirksamkeit von Kaftrio kann reduziert sein.
Was tun?Ggf. Dosisanpassung erforderlichNicht zusammen mit Kaftrio einnehmen

Auch pflanzliche Arzneimittel können Wechselwirkungen auslösen

Wie die Tabelle zeigt, können auch pflanzliche Arzneimittel oder bestimmte Nahrungsmittel Wechselwirkungen auslösen. Man sollte deshalb mit seinem Arzt über alle eventuell zusätzlich eingenommenen Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel sprechen, damit das Risiko für Wechselwirkungen richtig eingeschätzt werden kann.

Auf der folgenden Website (englischsprachig; mit amerikanischen Handelsnamen) findet Ihr Kaftrio-Wechselwirkungen:

Kaftrio-Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Alles zum Thema Kaftrio auf der Internetseite des Mukoviszidose e.V.

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