24-Stunden-CF-Lauf-Challenge: „Die Frage ‚Warum tust du dir das an?‘ höre ich seit Jahren“

24 Stunden am Stück laufen? Am 28. August 2021 stellen sich fünf Mukoviszidose-Betroffene dieser Challenge: Ingo Sparenberg, Stephan Kruip, Reiner Heske, Thomas Kotzur und Richard Köhler werden beim 24-Stunden-Lauf der Magdeburger Laufkultur antreten – und gemeinsam so viele Kilometer wie möglich für Menschen mit Mukoviszidose sammeln. Denn mit der Aktion wollen die fünf auch Spenden für die Projekte des Mukoviszidose e.V. erlaufen. Wir haben den Initiator Ingo Sparenberg gefragt, wie er auf diese Idee gekommen ist.

Initiator der 24-Stunden-CF-Lauf-Challenge: Ingo Sparenberg
Initiator der 24-Stunden-CF-Lauf-Challenge: Ingo Sparenberg

Ingo, 24 Stunden am Stück laufen – das klingt erst einmal verrückt und wahnsinnig anstrengend. Wieso tust Du Dir das an?

Ich muss jetzt ein wenig schmunzeln. Die Frage „Warum tust Du Dir das an?“ höre ich ja seit Jahren wiederholt und es zeigt mir dann immer, wie verrückt diese Sachen tatsächlich sind. Naja, keiner von uns wird 24 Stunden am Stück laufen können, das bewältigen nur ganz wenige gesunde Läufer. Aber wir wollen schon so viel und so oft wie möglich laufen. Ein paar Ruhepausen und einige Gehphasen wird es mit Sicherheit geben. Gerade in den letzten Stunden wird man wohl eher humpelnd, ich hoffe nicht auf allen Vieren, die Kilometer sammeln. Wir sind selbst alle gespannt und spekulieren schon über mögliche Taktiken. Keiner weiß bisher, wie genau er dies angeht, aber die Spannung und Freunde ist groß und wir brennen alle für dieses Ziel.

Wie ist die Idee entstanden, daraus eine Challenge mit mehreren CF-lern zu machen?

In den letzten Jahren ist bei Reiner Heske (Hesi), Burkhard Farnschläder – welcher leider im letzten Jahr von uns gegangen ist – und mir schon mehrfach in persönlichen Gesprächen der Gedanke „man müsse mal etwas Großes zusammen machen“ aufgeploppt. Aber da jeder seine eigene sportliche Agenda im Jahr hat und auch immer wieder gesundheitliche Defizite bei dem Ein oder Anderem eine Rolle spielten, wurde die Idee nie konkret. Im Winterhalbjahr habe ich dann mit Hesi abermals das Thema „auf dem Tisch“ gehabt und auch aus meiner eigenen Gesundheit heraus forcierte ich dies dann final. Wir schaukelten uns bei einer Unterhaltung über eine mögliche Distanz gegenseitig hoch, bis die Wörter „24-Stunden“ fielen. Die Idee war geboren, die anderen drei Männer waren sofort mit im Boot und so rollte der Ball der Challenge. 

Eure Challenge ist in den 24h-Lauf der Magdeburger Laufkultur (MLK) eingebettet. Was ist das für ein Verein?

Die MLK ist ein gemeinnütziger Sportverein in Magdeburg, bei welchem ich schon mehrfach am Start stand. Unter anderem habe ich dort 2015 meinen Ultramarathon über 60km absolviert. Ich habe eine freundschaftliche Verbindung zu den Verantwortlichen im Verein und als gebürtiger Magdeburger schlägt mein Herz natürlich auch für diese Stadt. Ich erinnerte mich, dass die Vorstandsmitglieder schon einmal die Idee eines 24-Stunden-Laufes im Kopf gehabt hatten, aber sich selbst nicht recht überzeugen konnten. Schließlich bedarf es für einen solchen Lauf einiges an Organisation. Es fehlte ein Aufhänger, ein Anstoß. Mit meiner Idee, dass ich selbst nochmal etwas Großes machen möchte und dem „Mitbringen“ vier weiterer CF-Betroffener, sprachen wir über die Möglichkeit eines 24-Stunden-Spendenlaufs. Ihre Ideen gepaart mit meinen stießen das Tor zu diesem Event weit auf und die Pläne konkretisierten sich.

Ingo nimmt regelmäßig an Laufveranstaltungen teil, ist sogar schon einen Ultramarathon gelaufen.
Ingo nimmt regelmäßig an Laufveranstaltungen teil, ist sogar schon einen Ultramarathon gelaufen.

Wo findet der Lauf statt? Und kann da jeder dabei sein?

Der Lauf findet vom 28. August – 10:00 Uhr bis 29. August – 10:00 Uhr rund um den Adolf-Mittag-See im Kulturpark Rotehorn in Magdeburg statt.

Ja in der Tat, jeder ab 18 Jahren könnte mitlaufen. Ich sage aber absichtlich könnte, denn dazu sollte man körperlich schon sehr fit sein. Selbst für Menschen, die kein Defizit haben, ist ein solcher Lauf eine enorme Belastung und Anstrengung. Was dies für uns bedeutet, werden wir am Sonntagnachmittag, nach dem Lauf, erleben (lacht). Aber zurück zum Eigentlichen: Wir hoffen, dass wir diesen Lauf als Präsenzlauf veranstalten können und haben die Teilnehmerzahl zunächst auf 100 Läufer begrenzt. Wir fünf treten dort mit unserer Challenge an und wir hoffen, dass es noch viele weitere Einzelläufer und Teams geben wird, welche dann alle Kilometer um Kilometer erlaufen. Gern kann sich jeder Läufer, jedes Team zusätzlich noch Spender suchen, damit wir möglichst viel Geld bei diesem Event generieren. Die MLK hat den Startbeitrag bewusst geringgehalten, damit die freiwillige Spende der Läufer an den Mukoviszidose e.V. umso größer ausfällt.

Ihr möchtet damit auch Spenden für den Mukoviszidose e.V. sammeln. Warum?

Natürlich steht in erster Linie der gute Zweck im Vordergrund. Jeder Teilnehmer spendet indirekt mit seiner Anmeldung Geld, man kann sich zusätzlich bespenden lassen von Freunden, Familie, Arbeitskollegen, Firmen usw. Wir sammeln mit unserer Challenge Spenden für den Unterstützungsfonds des Mukoviszidose e.V.. Einen Spendenaufruf findet Ihr auf meiner Site. Aber für uns ist nicht nur das Spenden sammeln wichtig. Wir wollen ebenso auf verschiede Dinge aufmerksam machen. So stehen wir fünf auch als Ansprechpartner zu verschieden Themen rund um unseren Verein und die Mukoviszidose zur Verfügung. Reiner Heske nimmt sich dem Thema Organspende stark an, Thomas und Richard fungieren als Ansprechpartner zum Thema Betroffene, Stephan und ich fokussieren uns auf das Thema Fachkräftemangel und Dinge rund um den Verein.

Wie bereitest Du Dich auf die Challenge vor?

Im Moment – Ende Mai – bin ich seit Wochen täglich mit diesem Projekt beschäftigt. Als Mitorganisator versuche ich, den Veranstalter, die Magdeburger Laufkultur, zu unterstützen, Ideen mit auszuarbeiten und umzusetzen. Einige Dinge müssen rechtlich mit unserer Geschäftsstelle abgestimmt sein und organisatorisch bedarf es vieler Punkte, welche abgearbeitet werden müssen. Ich informiere die Jungs immer mal wieder in Meetings oder Mails über den Stand der Dinge, hole oder berichte von Ideen, Einschätzungen, Abstimmungen und so weiter. Ich versuche Firmen als Unterstützer an Land zu ziehen. Auch versuchen wir diesen Lauf, welcher vielleicht eine gewisse Einzigartigkeit hat, medial interessant zu machen um viele Möglichkeiten zu kreieren, Aufmerksamkeit für unsere Erkrankung zu bekommen. Zum Beispiel konnte ich als Schirmherrn den Oberbürgermeister von Magdeburg gewinnen, wir haben die Printmedien im Boot und eventuell auch Funk & Fernsehen.

Tja und bei alledem darf ich nicht vergessen, selbst zu trainieren. Im März und April bin ich jeweils um die 100 Kilometer im Monat gelaufen und wollte die Distanz bis August auf 150 km monatlich oder noch höher steigern. Jetzt im Mai gelang mir das durch die Projektarbeit, das Wetter und die Corona Impfung nicht, aber ich bin trotzdem guter Dinge im Juni und Juli die Kondition nochmals nach oben zu setzen. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich mich nicht physisch wie psychisch überbelaste, denn wenn sich selbst nachts im Traum alles nur noch um dieses Event dreht und ich körperlich auch nicht mehr zur Ruhe komme, kann man kaum noch abschalten. Das Wichtigste ist jedoch, es macht enormen Spaß!

Wie können Interessierte den Lauf verfolgen?

Wir versuchen im Moment, verschiede Möglichkeiten der Liveverfolgung zu erarbeiten, ich kann dazu aber final noch nichts sagen. Sicher gibt es in einem zweiten Interview dazu mehr zu berichten. Angedacht ist es, einen Livestream zu organisieren, über den man dann Einblick auf die Strecke hat und eventuell ein paar Interviews live senden kann. Da wir alle Fitnessuhren haben, wird es sicher auch über verschiedene Portale (runtastic-garmin-polar) möglich sein, uns zu verfolgen.

Was passiert, wenn der Lauf aufgrund von Covid-19 nicht stattfinden kann?

Wir hoffen natürlich, dass wir diesen Lauf unter einem SARS-CoV-2-Sicherheitskonzept durchführen können. Sollte der Lauf jedoch nicht umsetzbar sein, werden wir fünf allein, privat – eventuell in abgespeckter Version – um den See laufen und Kilometer um Kilometer sammeln. Aber auch für dieses Konzept erarbeiten wir gerade Ideen. Wir fünf sind bis dato alle mit genügend Abstand zweimalig geimpft, somit sollte eine private Umrundung des Sees möglich sein und wir zeigen damit unseren Unterstützern, dass wir trotzdem eine „Light-Ausgabe“ anbieten.

Gibt es noch etwas, das Du gerne loswerden möchtest?

Wir würden uns sehr freuen, wenn so viele Menschen wie möglich unser Event nach außen tragen. Erzählt es der Welt, begeistert Deutschland von unserem Vorhaben und animiert sie, mit einer Spende einen kleinen Teil dazu beizutragen. Ein 24-Stunden-Spendenlauf ist etwas Tolles. Aber wenn sich fünf Mukoviszidose-Erkrankte aufmachen, um mit einer Challenge innerhalb von 24 Stunden laufend, gehend, schleppend so viele Kilometer wie möglich zusammen zu bekommen, ist das schon eine Besonderheit, welche sicher so vor 20 Jahren undenkbar schien. Unser Motto dieses Laufs lautet „laufend helfen“ und so möchte ich diesen Slogan nutzen und sagen, lasst uns zusammen laufend helfen, indem die Info über unsere diese Event und unsere Challenge in verschiedenen Kanälen zu laufen beginnt und sich medial verbreitet. Danke Euch.

Und zum Schluss: Was glaubst du, wie viele Kilometer werdet Ihr schaffen?

Das bleibt eine Überraschung. Wahrscheinlich auch für uns selbst. Wir haben als Ziel in 24 Stunden 240 Kilometer ausgegeben, dass wäre für jeden im Schnitt 48 Kilometer. Wieviel es in der Tat am Schluss sind, davon werden wir uns wohl selbst überraschen lassen müssen. Auch wenn wir fünf uns alle super verstehen, freundschaftlich verbunden sind und uns mit großem Respekt untereinander begegnen, so bleibt doch ein bisschen sportliche Rivalität und noch lässt sich keiner so recht in die Karten gucken. Insgeheim denkt jeder mit Sicherheit über eine mögliche persönliche Laufleistung nach und hat auch eine Wunschkilometerzahl im Kopf. Aber Wünsche und Träume bleiben meist auch Wünsche und Träume. Nur manchmal, ganz selten, gibt es eine kleine Sensation.

Das Interview führte Juliane Tiedt.

Mehr zur Challenge auf Ingos Website

Wir werden die 24-Stunden-CF-Lauf-Challenge mit unserer Berichterstattung begleiten und in den nächsten Monaten Interviews mit allen Läufern hier veröffentlichen.

Möchtet Ihr die Aktion jetzt schon unterstützen? Jetzt spenden

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4 Kommentare

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