24h-CF-Lauf-Challenge: „Die größte Herausforderung meines Lebens“

24 Stunden am Stück laufen? Am 28. August 2021 stellen sich fünf Mukoviszidose-Betroffene dieser Challenge: Ingo Sparenberg, Stephan Kruip, Reiner Heske, Thomas Kotzur und Richard Köhler werden beim 24-Stunden-Lauf der Laufkultur Magdeburg antreten – und gemeinsam so viele Kilometer wie möglich für Menschen mit Mukoviszidose sammeln. Denn mit der Aktion wollen die fünf auch Spenden für die Projekte des Mukoviszidose e.V. erlaufen. Richard Köhler hat vor rund 12 Jahren die Liebe zum Laufen entdeckt und läuft seitdem regelmäßig, unter anderem auch beim jährlichen Amrumer Mukolauf. Im Interview stellen wir ihn Euch einmal vor.

Richard Köhler beim Amrumer Mukolauf. Foto: Mukoviszidose e.V.
Richard Köhler beim Amrumer Mukolauf. Foto: Mukoviszidose e.V.

Was ist deine Motivation, bei der 24-Stunden-CF-Challenge mitzumachen?

In sportlicher Hinsicht ist das die größte Herausforderung meines Lebens bisher. Ich war sehr überrascht und erfreut, dass die anderen Läufer mich gefragt haben, ob ich dabei bin. Unter uns fünfen bin ich der unerfahrenste Läufer. Aber wir sind alle zusammen schon beim Mukolauf auf Amrum gelaufen. Meine Motivation ist, mich gesundheitlich weiter fit zu halten und anderen Patienten Hoffnung zu geben. Ich habe 2009 oder 2010 mit dem Laufen begonnen. Da ging es mir gar nicht gut, und ich habe keine fünf Minuten auf dem Laufband geschafft. Durch langsames kontinuierliches Training habe ich mich so fit gemacht, dass ich jetzt zumindest Halbmarathon laufen kann. Diese Motivation möchte ich an andere weitergeben: Jeder kann das schaffen, wenn er den Willen dazu hat.

Wie bist Du zum Laufen gekommen?

Ich war lange Zeit im Fitnessstudio. Zum Aufwärmen saß ich meist zehn Minuten auf dem Fahrrad. Irgendwann waren einmal alle Fahrräder, Stepper und Crosstrainer besetzt, und dann habe ich tatsächlich das Laufband ausprobiert. Ich kannte das ja von Rehakliniken, wo ich als Kind laufen musste. Da gab es diese Laufkurse, die ich immer gehasst hatte.
Ich habe dann gemütliche 8 km/h auf dem Laufband eingestellt, das ist ja eher ein schnellerer Spaziergang. Nach der ersten Einheit (fünf Minuten Laufen, fünf Minuten Pause, etc.), die ich so für 20 bis 25 Minuten durchgehalten habe, habe ich mich von der Lunge her so befreit gefühlt, das war ein unglaubliches Gefühl.

Ist das Laufen für Dich eher Therapie oder Spaß?

Anfangs war es eher Therapie, aber das hat sich für mich über die Jahre, in denen ich mich ganz langsam gesteigert habe, bis ich dann durchlaufen konnte, geändert. Irgendwann habe ich auch angefangen, draußen zu laufen. Das hat mich viel Überwindung gekostet. Erst habe ich das nur im Sommer bei warmen Temperaturen gemacht, mittlerweile laufe ich selbst bei Schneeregen und bei -4 °C. Heute ist das für mich Spaß, Hobby, aber weiterhin trotzdem auch Therapie. Es ist die beste Therapie, die ich mir vorstellen kann, weil ich damit einfach meine Lunge freipuste und danach ein anderes Gefühl in der Lunge habe.

Richards Hobby Bergwandern bedeutet Herausforderung und Entspannung für ihn. Foto: Mukoviszidose e.V.
Richards Hobby Bergwandern bedeutet Herausforderung und Entspannung für ihn. Foto: Mukoviszidose e.V.

Dein anderes großes Hobby ist das Bergwandern. Was fasziniert Dich daran?

Das ist Naturerkunden, Landschaft genießen. Vor allen Dingen, wenn man – egal bei welchem Wetter – den Gipfel erreicht hat. Sich auf die Natur einzulassen, sich auch mal auf sich selbst zu konzentrieren, viel nachzudenken über das Leben, die Zukunft, die Therapie. Man hat dabei viel Zeit und fühlt sich der Natur verbunden. Das ist für mich ganz wichtig. Dabei kann ich auch vom Alltag entspannen. Jeder Berg ist anders, bringt neue Herausforderungen mit sich. Mein Lieblingszitat zum Wandern lautet: ‚Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.‘

Leider hast Du zurzeit einen Ermüdungsbruch am Fuß und kannst nicht so trainieren, wie Du das möchtest. Wie ist Dein Plan B für den Lauf im August?

Ich werde auf jeden Fall dabei sein, egal wie es mir gesundheitlich geht. Ich will die anderen vier unterstützen.
Mein eigenes sportliches Ziel kann ich noch schwer abschätzen – ich möchte wirklich gerne mitlaufen oder wenigstens spazieren gehen. Momentan habe ich aber noch Schmerzen beim Auftreten und werde sehen müssen, wie sich das entwickelt.

Deine längste Laufstrecke war bislang der Amrumer Mukolauf mit rund 26 Kilometern. Hast Du Angst, Dich mit der Challenge zu übernehmen?

Ja, das stimmt, die Inselrunde auf Amrum war meine längste Laufstrecke bisher. Das waren drei Stunden über Sand und sehr anstrengend.
Ich habe aber keine Angst, mich zu übernehmen. Ich laufe sehr viel, bin dieses Jahr bis Ende April schon insgesamt 500 km gelaufen. Natürlich nicht am Stück (lacht). Mein Ziel dieses Jahr war es, insgesamt die 1.000 Meter zu knacken, und da ich stetig und nicht übertrieben trainiere, habe ich eine sehr gute Grundfitness. Auch von der Lunge her ist durch das neue Medikament Kaftrio momentan alles top. Ich fahre auch regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit, das sind 26 km pro Strecke. Und ich gehe ja auch viel wandern, drei bis viermal im Monat, 20 km lange Wandertouren mit 1.000 Höhenmetern. Nebenbei mache ich Yoga.
Ich kann meine Grenzen sehr gut einschätzen und würde nicht übertreiben.

Richard hat ein weiteres Gipfelkreuz erreicht - einen so erfolgreichen Ausgang wünscht er auch für die 24h-CF-Lauf-Challenge! Foto: Mukoviszidose e.V.
Richard hat ein weiteres Gipfelkreuz erreicht – einen so erfolgreichen Ausgang wünscht er auch für die 24h-CF-Lauf-Challenge! Foto: Mukoviszidose e.V.

Gibt es noch etwas, das du gerne loswerden möchtest?

In Bezug auf den Lauf: Ich freue mich auf die Herausforderung, bin sehr gespannt, wie der Tag so wird. Ich freue mich, dass wir von allen Seiten so viel Unterstützung erfahren. Ich freue mich auch, dass es dadurch Aufmerksamkeit für unsere Krankheit gibt, weil es ja immer noch eine Krankheit ist, mit der man vielleicht nicht so alt werden kann, auch wenn sich hier natürlich in den letzten Jahren viel getan hat. Und ich freue mich, dass wir durch den Lauf Menschen unterstützen können, denen es finanziell vielleicht nicht so gut geht.
Die anderen Läufer sind auch Vorbilder für mich: Reiner Heske, der mit einer Spenderlunge Marathons läuft, Ingo Sparenberg mit seinen Ultraläufern, Thomas Kotzur, der wahnsinnige Strecken läuft und Stephan Kruip, bei dem es sowieso bewundernswert ist, was er neben seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Mukoviszidose e.V. noch alles schafft. Ich bin sehr begeistert, dass ich da mit dabei sein darf und hoffe einfach, dass ich zum Lauf gesundheitlich dann nicht mehr so eingeschränkt bin und mein Bestes geben kann.

Und zum Schluss: Was glaubst du, wie viele Kilometer werdet ihr schaffen? Euer Ziel sind ja 240 km?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Was meinen eigenen Beitrag angeht, möchte ich lieber nichts prognostizieren. Aber wenn ich mir die anderen ansehe, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die 240 schaffen werden. Man muss natürlich schauen, wie dann der individuelle Gesundheitszustand ist und wie zum Beispiel das Wetter an dem Tag ist.

Das Interview führte Juliane Tiedt.

Mehr zur Challenge gibt es auf der Website von Ingo Sparenberg.

Wir begleiten die 24-Stunden-CF-Lauf-Challenge mit unserer Berichterstattung begleiten und in den nächsten Monaten Interviews mit allen Läufern hier veröffentlichen.

Zum Interview mit Ingo Sparenberg

Zum Interview mit Reiner Heske

Zum Interview mit Stephan Kruip

Zum Interview mit Thomas Kotzur

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