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Mukoviszidose als Motivation – Interview mit Eishockeyspieler Philipp Michl

Mukoviszidose ist unsichtbar. Das kann auch ein Vorteil sein. Philipp Michl hat seine Erkrankung als Eishockey-Profi lange geheim gehalten. Für ihn war das damals die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Chance im Profisport zu haben. Im Interview erzählt er von dieser Entscheidung, berichtet von seinen Jahren bei den Erding Gladiators und von seinem Podcast „Unterm Trikot“, in dem er mit Menschen im Sport über ihre persönlichen Erfahrungen spricht. Das Interview ist Teil unserer Blogserie über CF als unsichtbare Erkrankung im Mukoviszidose Monat Mai.

Über den Umgang mit CF im Profisport

Lieber Philipp, das Thema des Mukoviszidose Monat Mai ist „CF als unsichtbare Erkrankung“. Du hast jahrelang als Eishockey-Profi Deine Mukoviszidose geheim gehalten. Warum war das für Dich der richtige Weg? 

Ich würde sagen, dass es zu diesem Zeitpunkt mein einziger Weg war, überhaupt eine Chance zu haben, den Sport professionell zu betreiben. Die meisten Leute kannten die Krankheit damals überhaupt nicht, und auch die Forschung war noch nicht so weit wie heute.

Der Profisport ist ein Business. Vereine hätten in meiner Person mit CF wahrscheinlich ein zu großes Risiko gesehen. Wenn ein Profi nicht spielen oder keine Leistung bringen kann, ist das für einen Verein auch ein wirtschaftlicher Verlust. Vielleicht hätte ich es nicht so lange geheim halten müssen – aber ich wollte auch kein Mitleid oder eine Bevorzugung wegen meiner Erkrankung bekommen. Für mich war es eher ein eigener Ansporn, es für mich zu behalten.

Mit dem heutigen Stand und den neuesten Medikamenten sind die Voraussetzungen natürlich ganz andere. Aber ich bereue meine Entscheidung nicht.

Über die Wahrnehmung der Krankheit

Denkst Du, dass es auch ein Vorteil ist, dass man Mukoviszidose meist nicht auf einen Blick erkennen kann? 

Wir wissen, dass es viele verschiedene Formen und Ausprägungen von CF gibt. Persönlich sehe ich es sogar als Vorteil, dass bei vielen die Erkrankung auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Menschen urteilen oft sehr schnell und das Wissen über CF ist immer noch begrenzt.

Bei mir haben es sogar ausgebildete Ärzte lange nicht erkannt. Gerade für diejenigen unter uns, die nicht offen mit der Erkrankung umgehen möchten, kann das natürlich auch ein Vorteil sein.
Ich persönlich mag es nicht, wenn jeder fragen würde „Wie geht es Dir?“. Ich will, dass Leute mich normal sehen und auch so behandeln. Was ich für einen Kampf habe oder welche Beschwerden, geht niemand was an. Das mag ein wenig egoistisch oder arrogant wirken, aber ich mag den verletzlichen Teil an mir nicht. Ein gewisser Schutzpanzer, so würde ich es beschreiben!

Motivation statt Ausrede

Hast Du einen Tipp an Kinder mit CF, die gerne Leistungssportler werden würden? 

Einen klassischen Tipp würde ich nicht geben. Aber ein Gedanke hat mir immer sehr geholfen: Dass ich die gleiche oder sogar eine bessere Leistung bringen kann – obwohl ich CF habe!

Das war für mich immer eine große Motivation. Wenn ich etwas mitgeben kann, dann das: Benutzt CF niemals als Ausrede, sondern als Motivation. Gebt niemals auf und glaubt an Eure Träume. Und überlegt Euch ganz genau, wie offen Ihr in Eurem Umfeld oder in Eurem Beruf mit der Diagnose umgehen möchtet. Sport ist Therapie, und zwar eine sehr gute! Wer inhaliert schon gerne.

Wie der Podcast entstanden ist

Du hast seit einiger Zeit einen Podcast rund um den Sport – „Unterm Trikot“ – wie bist Du auf diese Idee gekommen?

Die Idee zu dem Podcast hatte ich schon länger. Aber die Zeit und der letzte Anstoß haben gefehlt. In einer Phase, in der es mir persönlich nicht gut ging, in der meine Arbeit sehr genervt hat, brauchte ich einfach neuen Input.

Meine Frau hat dann irgendwann gesagt: „Jetzt mach es einfach.“ Und dann ging plötzlich alles ziemlich schnell. Logo erstellt, Gäste eingeladen und dann ging es mit der ersten Folge zu mir und meiner Person los.

Die Gespräche mit anderen Sportlern sind genau das, was ich gesucht habe. Ihre Erfahrungen, Geschichten und auch ihre Emotionen berühren mich sehr. Ich hoffe, dass ich dadurch den Menschen verschiedene Sportarten näherbringen kann – und vor allem die außergewöhnlichen Geschichten der Sportler dahinter. Jede ist individuell und anders, das macht es so spannend.

Worüber sprichst Du mit Deinen Gästen?

Ich spreche mit dem Sportler, mit den Personen aus dem Sport über ihre Sportart, über ihren persönlichen Weg in den Sport und über ihre Erfolge. Am meisten interessiert mich aber die mentale Seite des Sports: der Druck, der Umgang mit Niederlagen, Social Media oder Verletzungen – all das sind Themen, die eine enorme Rolle spielen. Ich glaube, dass uns das Thema Mentalität im Sport und auch im Berufsleben in den nächsten Jahren noch viel stärker beschäftigen wird.

Aus den Erfahrungen der Sportler kann man unglaublich viel lernen – auch über sich selbst.

Rückblick auf die Zeit bei den Erding Gladiators

Du warst jetzt zehn Jahre lang bei den Erding Gladiators, bist mit dem Team in die Oberliga aufgestiegen. Wie blickst Du auf diese Zeit zurück?

Das ist für mich ein sehr emotionales Thema. Es ist mein Heimatverein, und diese zehn Jahre waren etwas ganz Besonderes.

Der Aufstieg war immer unser großes Ziel. Aber in dieser Zeit ist auch privat viel passiert – mein Sohn ist geboren und dort aufgewachsen. Es ist einfach unglaublich, wenn Fans einen über zehn Jahre unterstützen, egal wie es gerade läuft. Ein Lebensabschnitt, der endet. 

Ich bin stolz darauf, dass ich meinem Verein etwas zurückgeben konnte. Leider musste ich das Trikot in Erding ausziehen – aber das gehört zum Sport dazu. Entscheidungen müssen akzeptiert werden. Es war eine wunderbare Zeit, auf die ich sehr gerne zurückblicken werde.

Blick in die Zukunft

Wie geht es für Dich jetzt weiter? 

Das nicht ganz so schöne Ende muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. Der Sport war und ist für mich aber viel mehr als nur Eishockey – er war mein Lebensretter. Ich habe dem Sport sehr viel zu verdanken. Aber auch meine Familie hat in dieser Zeit viel auf mich verzichtet. Man verpasst Familienfeiern oder andere Ereignisse im privaten Bereich. 

Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Für mich war es wichtig zu zeigen, dass ich auch in der Oberliga noch mithalten kann – und mir das selbst zu beweisen. Zufrieden war ich natürlich nicht, das waren sicher zu wenig Tore für meine Person. Aber Ausreden suchen war nie meine Stärke, dass liegt im Sport nicht immer an einer Verletzung oder körperlicher Fitness. Der Kopf muss mitspielen und das waren vielleicht die paar Prozent, die dann am Ende gefehlt haben für mehr Tore. Trotzdem hat dieses Jahr Spaß gemacht. Wir hatten eine tolle Mannschaft und haben für unser erstes Jahr als Aufsteiger gute Spiele abgeliefert und vor allem am Ende der Saison konnten wir zeigen, dass wir mitspielen können. 

Im Moment sind viele Gedanken in meinem Kopf. Ich liebe den Sport, und ich weiß noch nicht, ob ich jemals wieder in etwas so gut sein werde wie im Eishockey. Auch die Frage, wie mein Körper ohne den Leistungssport reagiert, beschäftigt mich.

Es ist gerade ein Auf und Ab der Gefühle. Deshalb bin ich noch offen in meiner Entscheidung, ob – und wo – es für mich sportlich weitergeht.
Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Das Interview führte Juliane Tiedt.

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Zuletzt aktualisiert: 23.03.2026