„Denn heute ist der Tag zum Leben.“

Buchvorstellung „Hinter dem Lächeln“ von Michaela May

Seit über 30 Jahren engagiert sich Michaela May als prominente Patin für Menschen mit Mukoviszidose. Ende Februar hat sie ihre Autobiographie veröffentlicht. Wir möchten Euch in diesem Artikel das Buch vorstellen, in dem sie zum ersten Mal öffentlich vom traurigen Verlust ihrer drei Geschwister erzählt, und Euch mit dem Buch auch den Menschen Michaela May etwas näherbringen.

Freitod der drei Geschwister

Eine strahlende Michaela May - so wie viele sie kennen und lieben. Foto: Floryan Neye.
Eine strahlende Michaela May – so wie viele sie kennen und lieben. Foto: Floryan Neye.

„Hinter dem Lächeln“, so lautet der Titel des Buches. Ihr Lächeln und ihre positive, lebensfrohe Ausstrahlung sind Eigenschaften, die viele spontan mit der Schauspielerin verbinden und für die sie zahlreiche Komplimente bekommt. Dass Michaela May sich dieses strahlende Lächeln ihr ganzes Leben bewahren konnte, zeugt von großer Kraft, denn in ihrer Familiengeschichte gibt es einen tiefen Schmerz: Sie hat früh ihre drei Geschwister verloren. Die beiden älteren Brüder und die jüngere Schwester haben ihre Leben in jungen Jahren selbst beendet. In ihrer Autobiographie erzählt Michaela May erstmals öffentlich von dieser Familientragödie und davon, wie ihr trotz dieser Verluste ein glückliches Leben gelingen konnte.

„Ich möchte leben!“ – mit diesem leidenschaftlichen Bekenntnis zum Leben beginnt der Prolog des Buchs. Und diese vibrierende Lebendigkeit durchzieht als Grundton alle weiteren Kapitel. Sie ist die zentrale Botschaft des Buches, in dem Michaela May Rückschau hält auf ihre Kindheit im München der 50er und 60er Jahre, den frühen Start der Schauspielerei, ihre Reiselust und die Gründung einer eigenen Familie bis hin zur Begegnung mit ihrer zweiten großen Liebe und der Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Es ist ein weiter Bogen über ein angefülltes und erfülltes Leben.

Das Schweigen beenden

Anlass für die Autobiographie war der Wunsch, nach dem Tod der Eltern den dunklen Teil ihrer Familiengeschichte, den Verlust der Geschwister aufzuarbeiten und das Schweigen darüber zu beenden. Das Schweigen, das die Tochter ihren Eltern versprochen hat, weil der Schmerz zu groß war zum Reden. Weil es keine Antworten gab auf die quälenden Fragen nach dem Warum. Und weil das Schweigen es den drei Zurückgelassenen in der Familie ermöglicht hat, ganz in die Gegenwart einzutauchen und darin die Kraft zum Weiterleben zu finden.

Mit dem Tod der Mutter vor drei Jahren war der Zeitpunkt für Michaela May gekommen, die Tür zu Vergangenheit noch einmal zu öffnen und sich mit dem Freitod der Geschwister intensiv auseinanderzusetzen, alte Tagebücher der Brüder zu lesen, hineinzufühlen und zu erzählen – für ihre Töchter, ihre Enkelkinder und auch für sich selbst. Und obwohl die Gründe und Ursachen für die tiefen Depressionen und das Sterben ihrer Geschwister nach wie vor unfassbar bleiben, kehrt durch die Auseinandersetzung damit, eine neue Ruhe und Gelassenheit in ihr ein.

So intensiv wie möglich leben

In ihrer Autobiographie erzählt Michaela May erstmals vom Tod ihrer Geschwister. Foto: Piper Verlag.
In ihrer Autobiographie erzählt Michaela May erstmals vom Tod ihrer Geschwister. Foto: Piper Verlag.

„Ich habe erkannt, dass die Lust am Leben, die mich jeden Tag begleitet, ein Geschenk meiner Geschwister an mich ist, deren Tod mir gezeigt hat, wie schnell das Leben vorbei sein kann, die mich dazu gebracht haben, das Leben in mich einzusaugen, so intensiv wie möglich zu leben. Ich lebe für sie mit.“ So beschreibt May im Buch eine ihrer Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit dem Weg ihrer Brüder und ihrer Schwester. Dieses Leben in der Gegenwart, das Ausrichten auf die Geschenke und das Glück des Augenblicks ist eine Stärke, die Michaela May früh entwickelt. Und die es ihr ermöglicht, nicht nur zu überleben, sondern mit Freude zu leben und diese Freude auch weiterzugeben an andere Menschen.

Eine zentrale Säule, die sie trägt, ist das Schauspielen. Bereits als kleines Mädchen führt Michaela May, inspiriert durch ihre künstlerisch-kreative Mutter, ihrer Familie mit Enthusiasmus kleine Schauspielstücke vor, mit sieben Jahren steht sie das erste Mal vor der Kamera – für einen Werbespot für Milch. Als sie zehn ist, spielt sie ihre erste Filmrolle, eine Tanzrolle im Ballettfilm „Der Nussknacker“. Zahlreiche weitere Rollen folgen, über 300 Filmrollen sind es inzwischen, dazu kommen viele Auftritte auf Theaterbühnen. Die Dreharbeiten sind es, neben der liebevollen Begleitung von Freunden und ihrem ersten Ehemann Jack, die sie nach den Todesnachrichten ihrer Geschwister im Leben halten. Die intensive Beschäftigung mit einer Rolle beschreibt May in ihrer Autobiographie als Eintauchen in ein anderes Leben. Aus ihr resultiert für sie die Fähigkeit, ganz im Augenblick zu sein, sich spontan auf die jeweilige Situation einzulassen und präsent zu sein. Ihre Begeisterung für das selbstvergessene Spielen, für das authentische Darstellen anderer Lebensgeschichten ist ansteckend – mit jeder neuen Rolle wachsen Bekanntheit und Beliebtheit der Schauspielerin. „Streicheleinheiten für die Seele“ nennt sie die Wertschätzung des Publikums.

Engagement für andere als Kraftquelle

Als prominente Patin für Menschen mit Mukoviszidose besucht Michaela May immer wieder CF-Betroffene zuhause oder in der Klinik. Foto: Floryan Neye.
Als prominente Patin für Menschen mit Mukoviszidose besucht Michaela May immer wieder CF-Betroffene zuhause oder in der Klinik. Foto: Floryan Neye.

Neben ihrer Leidenschaft für das Schauspielen ist die Natur für Michaela May eine große Quelle der Kraft ebenso wie die Liebe – die Liebe zu ihren Töchtern, ihrem Mann und zu Familie und Freunden. Aber auch die Liebe und das offene Herz für Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen sind, gehören dazu. So engagiert sich die Schauspielerin als prominente Patin seit vielen Jahren für verschiedene gemeinnützige Projekte und Organisationen, u.a. seit über 30 Jahren intensiv für den Mukoviszidose e.V. Konkrete Hilfe zu leisten und zu signalisieren, ihr seid nicht allein in eurem Schmerz, sind ihr dabei wichtige Anliegen. „Ich will die Augen und Ohren, das Herz öffnen für die schönen Dinge, die es doch noch immer und weiterhin gibt, egal wie schlimm ich vom Leben getroffen wurde.“, so schreibt sie im Buch.

Wie sehr sie diesen Grundsatz selbst beherzigt, davon zeugt ihre Autobiographie. Mal leichtfüßig unterhaltsam und amüsant, mal nachdenklich und tief berührend ist sie geschrieben – eine fesselnde Lektüre, die an vielen Stellen einlädt, innezuhalten und einen Blick auf den eigenen Umgang mit Herausforderungen im Leben zu werfen. Und sich vielleicht inspirieren zu lassen von Sätzen wie diesen: „Und ich will diese Zeit nutzen, ich will mich hingeben, will genießen. Ich will wach sein und neugierig bleiben, damit ich erkennen kann, was jeder Augenblick mir Neues bringt. Denn heute ist der Tag zum Leben.“

Das Buch „Hinter dem Lächeln“ ist im Piper Verlag erschienen und kostet 22 Euro.

Mehr zum Engagement von Michaela May für den Mukoviszidose e.V. in unserer Pressemitteilung.

Carola Wetzstein

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