24-Stunden-CF-Lauf-Challenge: anderen Mut machen und für das Thema Organspende sensibilisieren

24 Stunden am Stück laufen? Am 28. August 2021 stellen sich fünf Mukoviszidose-Betroffene dieser Challenge: Ingo Sparenberg, Stephan Kruip, Reiner Heske, Thomas Kotzur und Richard Köhler werden beim 24-Stunden-Lauf der Laufkultur Magdeburg antreten – und gemeinsam so viele Kilometer wie möglich für Menschen mit Mukoviszidose sammeln. Denn mit der Aktion wollen die fünf auch Spenden für die Projekte des Mukoviszidose e.V. erlaufen. Reiner Heske ist seit 2013 lungentransplantiert – und hat danach erst mit dem Laufen angefangen. Seitdem läuft er regelmäßig Marathons und organisiert eigene Benefiz-Aktionen zugunsten von Menschen mit CF, wie den Mukolauf Oberberg. Wir haben Reiner gefragt, was seine Motivation für die 24-Stunden-CF-Challenge ist.

Reiner Heske ist lungentransplantiert.
Reiner Heske ist lungentransplantiert.

Was ist deine Motivation, bei der 24-Stunden-CF-Challenge mitzumachen?

Ich liebe es, immer wieder neue Herausforderungen anzugehen, nicht nur beim Laufen, sondern seit 2017 auch beim Radfahren. Meine Motivation ist, dass ich merke, dass der Sport mir einfach gut tut. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. Seitdem ich die CF-Therapie wie Inhalieren und Autogene Atemdrainage nicht mehr ständig machen muss, ist der Sport irgendwie zu meiner Therapie geworden. Meine Hoffnung ist, durch den Sport vielleicht einen etwas günstigeren Transplantationsverlauf zu erzielen, was aber auch mit Glück zu tun hat. Die Lebensdauer eines Spenderorgans ist zeitlich begrenzt.

Zudem ist es eine Ehrensache, bei dieser coolen CF-Aktion am Start sein und mit meinem Einsatz zur „laufend helfen“-Aktion beitragen zu können.

Musst du als Transplantierter dabei etwas Besonderes beachten?

Man nimmt als Transplantierter weiterhin sehr viele lebensnotwendige Medikamente, die andererseits Nebenwirkungen haben. Das Immunsystem wird so heruntergefahren, damit der Körper das fremde Organ nicht abstößt. Diese und Dauercortison verschlechtern zudem den Muskelaufbau extrem. Durch Ausdauersport wie die 24h Challenge oder einen Marathon zu laufen, wird das Immunsystem zusätzlich beeinträchtigt. Daher ist es für mich wichtig zu erkennen, wo meine körperlichen Grenzen sind. Ich muss alle 12 Stunden pünktlich die Immun-Medis nehmen und muss bei der Hygiene noch mehr aufpassen als Nichttransplantierte. Ich kann nur frisches Wasser trinken und darf kein rohes Fleisch oder Lebensmittel essen, die schon länger geöffnet sind.

Reiner nach dem Marathon in Köln 2017
Reiner nach dem Marathon in Köln 2017

Bist du schon einmal so viel am Stück gelaufen?

Nein, meine weiteste Distanz war der Marathon 2017 in Köln mit 42,195km. Ich werde aber in den kommenden Wochen zusätzlich zum Laufen auch das Gehen trainieren, um die Füße weiter abzuhärten. Die 24h-Lauf-Challenge in Magdeburg ist für mich das unüberschaubarste, was ich bisher sportlich gesehen in Angriff genommen habe. Man darf ja zum Glück auch Pausen machen und muss nicht in einem durchlaufen.   

Die 24h-Challenge ist nicht dein einziges Projekt. Du organisierst auch den Mukolauf in Oberberg und hast in diesem Jahr erstmalig das Benefiz-Spring-Cycling (ein Rad-Event im Frühling) ins Leben gerufen. Warum?

Ich habe 2013 durch eine Spenderlunge so ein tolles Geschenk erhalten, dass ich seitdem das Gefühl und Verlangen habe, etwas zurück zu geben. Ich möchte so auf Mukoviszidose und Organspende aufmerksam machen und nehme selbst an Spenden/Sponsorenläufen teil. Seit 2017 ist deshalb der „Mukolauf Oberberg“ entstanden, zu dem man sich übrigens aktuell anmelden kann. Die Idee, etwas für Radfahrer anzubieten, kam mir spontan letztes Weihnachten. Mit den Radfahrprojekten möchte ich in Zukunft auch andere regionale Hilfsprojekte unterstützen.

Woher nimmst du die Kraft für all diese Projekte?

Es klingt vielleicht etwas komisch, aber Kraft musste ich früher aufwenden, als meine alte Lunge noch täglich sehr verschleimt war. Jeden Tag vier bis fünf Stunden Therapie. Inhalieren, Atemdrainage machen und Becherweise zähes Sekret zu Tage fördern, um halbwegs Luft zu bekommen. Es gab in meinem Leben viele Krankenhausaufenthalte mit intravenösen Antibiotika-Therapien, und das immer anstrengendere Atmen machte mir das Leben mit den Jahren immer schwerer! Es verlangte mir wirklich alles ab. Jede Kleinigkeit wurde zum Kraftakt, selbst die eigene Körperpflege.

Heute bereitet es mir Dank einer toll funktionierenden Spenderlunge seit acht Jahren keine Mühe mehr, mich bei jedem Wetter in der Natur auszupowern und meine Lunge ohne großen Widerstand mit Luft zu füllen, um mich frei bewegen zu können.

Wenn die Berge beim Laufen und Radfahren auch noch so steil sind, ich wie eine Dampflok schnaufe, kann ich noch lächeln. Ich erinnere mich dann daran, wie mühselig mein Leben früher oft gewesen ist. Darum kostest es mich heute wahrscheinlich weniger Kraft, drei Stunden zu laufen, als früher einfach nur den Tag zu meistern.

Laufbegeistert: Reiner Heske
Laufbegeistert: Reiner Heske

Gibt es noch etwas, das du gerne loswerden möchtest?

Ich möchte anderen Mukoviszidose-Patienten, denen es z.B. nicht mehr so gut geht, Mut machen. Zudem möchte ich die Menschen mit meiner Geschichte erreichen. Möchte sie sensibilisieren, sich vielleicht auch einmal mit dem wichtigen Thema Organspende auseinander zu setzen, um z.B. ihre Entscheidung auf einem Ausweis festzuhalten.

Ich bin meinem Spender einfach lebenslang dankbar, dass er/sie sich zu Lebzeiten für die Organspende entschieden hat. Das Thema Organspende kann jeden treffen.

Mehr zu mir und meinen Benefiz-Projekten findet Ihr auf meiner Seite. www.reinerheske-laufendhelfen.de .

Und zum Schluss: Was glaubst du, wie viele Kilometer werdet ihr schaffen?

Unsere Zielsetzung ist ja, mit fünf CF-lern die insgesamt 240km in den 24h zu schaffen.

Ich laufe, um Spaß zu haben. Klar macht man sich so seine Gedanken, was wohl bei einer solchen 24-Stunden-Challenge möglich ist. Aber ich weiß auch, dass immer etwas dazwischenkommen kann. Kilometer-Prognosen möchte deshalb vorab lieber keine abgeben. Wenn es aber gut läuft, hoffe ich natürlich fürs Team, meine 48 km zum gesteckten Ziel beitragen zu können. Und mit Glück und Gottes Segen vielleicht auch noch etwas mehr. Es wird auf jeden Fall eine meiner spannendsten Sporterfahrungen.

Alle Mukos sind Kämpfer, und wir fünf werden unser Bestes geben – für uns selbst, aber vor allem fürs Team.

Vielen Dank für das Interview, und wir drücken die Daumen für die Challenge.

Das Interview führte Juliane Tiedt.

Mehr zur Challenge gibt es auf der Website von Ingo Sparenberg

Wir werden die 24-Stunden-CF-Lauf-Challenge mit unserer Berichterstattung begleiten und in den nächsten Monaten Interviews mit allen Läufern hier veröffentlichen.

Zum Interview mit Ingo Sparenberg.

Möchtet Ihr die Aktion jetzt schon unterstützen? Jetzt spenden


 

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