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Das Leben in vollen Zügen genießen – Erinnerungen an Caroline

Nadines Schwester Caroline hatte Mukoviszidose und starb 2025. Mit diesem Blogbeitrag möchte Nadine an ihre Schwester erinnern, die großen Kampfgeist hatte, nie aufgegeben hat und auch, als es ihr schon schlecht ging, ihre Träume verwirklicht hat.

Ich habe im März 2025 meine Schwester Caroline verloren. Sie war gerade einmal 36 Jahre alt. Ihr und auch unser Familienleben war geprägt von ihrer Mukoviszidose-Erkrankung. Heute als Mutter verstehe ich erst, was es bedeutet ein Kind in der Familie zu haben, welches viel mehr Betreuung braucht. Zeitlich und emotional. 

Als Kind oft eifersüchtig

Als Kind war ich die Schwester, die Verständnis haben musste und das war schwer. Ich selbst war ja nur vier Jahre älter. Ich war oft eifersüchtig. Als Erwachsene haben meine Schwester und ich eine sehr gute Beziehung gehabt. Ich habe sie viel unterstützt, wir waren in engem Austausch. Ich war 2010 bei der Kaiserschnitt-Geburt ihres Kindes dabei, weil ihr Mann OP-Situationen nicht so gut verkraften kann. Danach folgte 2012, als sie körperlich schon ziemlich mitgenommen war, die Lungentransplantation und eine sehr intensive ITS-Zeit. Unsere Familie hat sich immer gegenseitig unterstützt und sie eng begleitet. Auch 2018, als sie einen Lungenpilz hatte und die Ärzte wenig Hoffnung machten. Zehn Wochen verbrachte sie auf der Intensivstation. Danach waren Lunge und Nieren sehr mitgenommen. Das war eine sehr extreme Zeit für uns alle und wir hofften einfach nur, dass sie es schafft. 

Eine beeindruckende Persönlichkeit

Was meine Schwester immer auszeichnete, war, dass sie Kampfgeist hatte. Immer wieder. Wir alle fragten uns, wo sie die Energie hernahm. Sie war eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, die sich immer fragte: Wie kann es für mich möglich sein, statt den Kopf in den Sand zu stecken und aufzugeben? Sie hatte sich für ein Kind entschieden, obwohl alle Ärzte abgeraten hatten. Zu hohes Risiko. Sie hatte Reisen gemacht, die gesunde Menschen sich nicht erlauben und immer so „normal“ wie möglich gelebt. 

Eine besondere Erinnerung

Das spannendste Erlebnis war im Sommer 2024, als sie schon seit einem knappen halben Jahr Sauerstoff benötigte. Wir waren gemeinsam in den Alpen im Urlaub. Sie mit ihrer und ich mit meiner Tochter. Caroline wollte paragliden und hat alles in Bewegung gesetzt, ein Team zu finden, dass sie trotz der Sauerstoffflasche mitnimmt. Und als wir so auf 2.200 m Höhe standen, war das Erste, was sie sagte: „Ich bekomme keine Luft. Das Sauerstoffgerät reicht nicht, um zu laufen!“ Für mich war an der Stelle klar, dass wir einfach wieder runterfahren. Doch stattdessen fragte sie mich: „Kannst Du mich eventuell zur Abflugstelle tragen?“ So war sie: Mutig, willensstark und unabbringlich, hatte sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt. Ich dachte kurz, ich höre nicht richtig und hab dann eingewilligt. So liefen wir im Schneckentempo, ich sie auf dem Rücken, das Sauerstoffgerät an der Seite, zum Abflugpunkt. Und als sie abhob, wurde mir klar, dass ich gerade Teil von etwas ganz Großem war. Ich dachte mir: Wie kann jemand, der dem Tod nähersteht als dem Leben, so viel Mut haben und so sehr das Leben genießen? Und wir, die gesund sind, die quasi alle Möglichkeiten haben, haben oft so viel Angst vor Entscheidungen, erfüllen sich Träume nicht, bleiben lieber unglücklich.               

Neun Monate nach dem Paragliding-Erlebnis verstarb Caroline im Krankenhaus. Die Perspektiven, die ihr die Ärzte in Aussicht stellten, wollte sie nicht. Sie meinte wortwörtlich, dass sie alles in ihrem Leben erreicht hatte, was sie wollte. Sie habe ihr bestes Leben gelebt: einen wundervollen Ehemann, eine tolle Tochter und Freunde, viele wunderschöne Erlebnisse. Alles war perfekt.    

Caroline hat nie aufgegeben

Mir wurde seitdem bewusst, welche Geschenke sie durch ihre Art des Lebens und ihre Sicht auf die Dinge für jeden von uns auf die Welt gebracht hatte. Sie hat nie aufgegeben und immer nach dem „Wie kann es für mich gehen?“, gesucht. Sie hat sich ihrer Angst gestellt und es trotzdem getan.            

Genau diese Kraft, den Mut und die Lebensfreude wünsche ich allen CF-Betroffenen und deren Familien.

Nadine

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Zuletzt aktualisiert: 04.09.2025