Meinen Beitrag leisten, damit Lebensqualität und -erwartung bei Mukoviszidose weiter verbessert werden

Interview mit Dr. Mirjam Stahl, Universitätsklinikum Heidelberg.

Dr. Mirjam Stahl hat den Adolf-Windorfer-Preis erhalten.

Dr. Mirjam Stahl hat den Adolf-Windorfer-Preis erhalten.

Auf der 52. Jahrestagung des Mukoviszidose e.V. in Schweinfurt wurde Dr. Mirjam Stahl der Adolf-Windorfer-Preis verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird jährlich für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Mukoviszidose-Forschung verliehen. Die Regionalgruppe Mittel/Oberfranken des Mukoviszidose e.V. hatte den Preis gesponsert. Wir haben mit Dr. Stahl über ihre Forschung, den Preis und ihre berufliche Zukunft gesprochen.

Frau Dr. Stahl, was war das Ziel Ihres Projektes?

Bei unserem Projekt ging es darum, Methoden zu finden, die eine Charakterisierung der CF-Lungenerkrankung, insbesondere auch im frühen Kindesalter erlauben.

Was haben Sie genau untersucht?

Wir haben 97 Kinder und Jugendliche mit CF[1] am selben Tag mittels Lungen-MRT und einer Speziallungenfunktionsmethode, dem Multiple Breath Washout (MBW)[2], untersucht zu einem Zeitpunkt, als diese Menschen klinisch stabil waren. Außerdem haben wir untersucht, ob MRT und MBW das Ansprechen auf eine iv-antibiotische Therapie bei pulmonalen Exazerbationen[3] erfassen.

Warum ist das bei Mukoviszidose relevant?

Die CF-Lungenerkrankung beginnt kurz nach Geburt, meist ohne, dass man das „von außen“ erkennen kann. Um den Verlauf beurteilen zu können, braucht man empfindliche, aber nicht-invasive Untersuchungsmethoden.

Was bedeuten Ihre Ergebnisse für die Praxis?

Wir können nun ab Diagnosestellung empfindlich untersuchen, wie ausgeprägt die CF-Lungenerkrankung beim einzelnen CF-Patienten ist und seine Therapie gegebenenfalls anpassen, um schwerwiegenden Veränderungen vorzubeugen. Zudem zeigen unsere Ergebnisse, dass man mit MRT und MBW auch therapeutische Maßnahmen hinsichtlich ihrer Effektivität überprüfen kann.

Welche Mukoviszidose-Patienten können von Ihren Ergebnissen profitieren?

Im Grunde alle:

  • Neudiagnostizierte im Säuglings- und Kleinkindalter,
  • Menschen mit nur leicht eingeschränkter oder normaler spirometrischer[4] Lungenfunktion, bei denen durch MRT und MBW eine Verlaufsbeurteilung möglich wird,
  • Menschen, bei denen eine neue Therapie begonnen hat, um das Ansprechen zu prüfen.

Ihre Forschung wurde durch die Nachwuchsförderung des Mukoviszidose e.V. unterstützt. Wie hat Ihnen das geholfen?

Hierdurch wurde es möglich, über zwei Jahre zu je 50 Prozent in der Klinik und in der klinischen Forschung zu arbeiten. Dies erlaubte eine effektive Studienplanung, -durchführung und -auswertung.

Auf der 52. Jahrestagung des Mukoviszidose e.V. in Schweinfurt präsentierte Dr. Stahl ihre Forschungsergebnisse.

Auf der 52. Jahrestagung des Mukoviszidose e.V. in Schweinfurt präsentierte Dr. Stahl ihre Forschungsergebnisse.

Sie haben für Ihre Publikation den Adolf-Windorfer-Preis erhalten. Wie werden Sie das Preisgeld einsetzen?

Vermutlich für Reisen zu Fachkongressen, um einerseits unsere Ergebnisse vorzustellen und den Austausch mit Kollegen anderer Zentren hierüber zu ermöglichen, und andererseits zur eigenen Fortbildung beizutragen.

Haben Sie sich bewusst für die Mukoviszidose-Forschung entschieden?

Als ich mich 2008 an der Kinderklinik in Heidelberg beworben habe, wurde mir die Mitarbeit an einem Projekt zur Knochengesundheit bei CF angeboten, das ich spannend fand. Seitdem hat mich die Mukoviszidose nicht mehr losgelassen.

Was motiviert Sie, zur Mukoviszidose zu forschen?

Die enormen Fortschritte, die bereits für Menschen mit dieser Erkrankung erreicht wurden, spornen mich an, meinen Beitrag zu leisten, dass Lebensqualität und -erwartung noch weiter verbessert werden können.

Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?

Gerne möchte ich weiter klinisch und wissenschaftlich auf dem Gebiet der CF arbeiten und neue Ärzte hierfür begeistern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Dr. Mirjam Stahl sprach Juliane Tiedt


Der Adolf-Windorfer-Preis

Einmal jährlich vergibt der Mukoviszidose e.V. den Adolf-Windorfer-Preis für eine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Erforschung und der Therapie der Mukoviszidose. Der Preis ist mit € 5.000 dotiert und kann an eine Einzelperson oder eine Gruppe vergeben werden. Mit dem Preis möchte der Verein einer Arbeitsgruppe oder Einzelperson für eine besonders wichtige und herausragende Arbeit danken und sie zur Weiterarbeit auf dem Gebiet der Mukoviszidose Forschung motivieren.

Mehr zum Adolf-Windorfer-Preis: https://www.muko.info/angebote/forschungsfoerderung/adolf-windorfer-preis/


Die Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V.

Was sind unsere Ziele? Die Forschungsförderung soll helfen, Forschergruppen für Mukoviszidose zu interessieren und dabei zu unterstützen, wichtige Fragestellungen zu der Erkrankung zu bearbeiten und neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Langfristig soll so das Leben der Betroffenen verbessert werden.

Welche Art Projekte fördern wir? Wir fördern Forschungsprojekte, deren Ergebnisse eine Anwendungsperspektive für die Versorgung von Mukoviszidose-Patienten erkennen lässt. Die Forschungsprojekte müssen von hoher wissenschaftlicher Qualität sein und durch die Antragsteller realisierbar sein. Nur Forschungsprojekte, die in einem Begutachtungsverfahren durch internationale Experten, den Vorstand der Forschungsgemeinschaft Mukoviszidose (FGM) und durch Patientenvertreter den oben genannten Kriterien standhalten, können gefördert werden.

Welche Möglichkeiten der Förderung gibt es? Grundsätzlich bieten wir die Projektförderung und die Nachwuchsförderung an. Um Fragestellungen mit kleinerem finanziellen und zeitlichen Umfang kurzfristig bearbeiten zu können, gibt es zusätzlich die Förderung von Kleinprojekten. Das Auswahlverfahren ist bei Kleinprojekten zeitlich verkürzt. Im Rahmen der Nachwuchsförderung unterstützt der Mukoviszidose e.V. engagierte Nachwuchswissenschaftler, die in einer geeigneten Arbeitsgruppe ein CF-relevantes Thema bearbeiten und sich langfristig auf dem Gebiet der Mukoviszidose Forschung etablieren möchten.

Weitere Informationen zur Forschungsförderung durch den Mukoviszidose e.V.: https://www.muko.info/angebote/forschungsfoerderung/

[1] CF = Cystische Fibrose, Mukoviszidose

[2] Gasauswaschmethode, d. h. ein von der normalen Raumluft unterscheidbares Gas wird in die Lunge eingeatmet. Anschließend wird gemessen, wie viele Atemzüge notwendig sind, um das Gas wieder vollständig auszuatmen. Der auf diese Weise gemessene Parameter heißt LCI (Lung Clearance Index).

[3] Deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes

[4] Spirometrie: Lungenfunktionsdiagnostik in der Routine-Diagnostik zur Messung von FEV1 und anderen Messgrößen.

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