„Mukoviszidose wollte ich eigentlich gar nicht zum Thema machen!“ – Interview mit Denise vom Blog „Travelous Mind“

Denise hat Mukoviszidose und hat in diesem Jahr ihren Blog „Travelous Mind“ gegründet. Eigentlich wollte sie nur über ihre Reiseerfahrungen schreiben – doch dann merkte sie, dass viele Menschen mehr darüber erfahren möchten, wie es ist, mit einer chronischen Erkrankung so viel zu reisen. Wir haben Denise nach ihrer Motivation und ihren Zielen befragt. #mukovation

Auf ihrem Blog "Travelous Mind" schreibt Denise von ihren Reiseerfahrungen.

Auf ihrem Blog „Travelous Mind“ schreibt Denise von ihren Reiseerfahrungen.

Du hast Anfang 2016 Deinen Blog „Travelous Mind“ gestartet. Was war Deine Motivation dafür?

Meine ursprüngliche Motivation, einen Blog zu starten, kam durch den Wunsch, meine Reiseerfahrungen mit anderen zu teilen. Ich wollte gern mehr Menschen dazu inspirieren, die wundervolle und bereichernde Erfahrung, die das Reisen mit sich bringt, zu machen. Offen gestanden, wusste ich damals nicht, wie viel Arbeit das Ganze beinhalten würde. Ich hatte auch gar keine Vorstellung darüber, wohin das Ganze führen würde und wie viel ich durch das Bloggen über mich selbst erfahren würde. Ich bin unendlich froh, den Blog damals gestartet zu haben.

Wie findest Du die Themen für „Travelous Mind“?

Meist sind es Themen, die mich selbst im Alltag beschäftigen. Mal sind es abstraktere Themen wie zum Beispiel Freiheit, Achtsamkeit, Zeit, Wünsche und Träume, aber auch praktischere Themen wie die Reiseplanung und vor allem zunehmend das Thema des Reisens mit chronischer Erkrankung. Hier orientiere ich mich an den Schwierigkeiten, die mir bisher selbst beim Reisen über den Weg gelaufen sind, aber auch durch den Austausch mit anderen chronisch Kranken versuche ich, bestehende Probleme herauszufinden und diese in meinen Artikeln anzusprechen.

Du schreibst, dass du mit Deinem Blog einfach eine Plattform haben wolltest, auf der Du Deine Reiseerfahrungen mit Anderen teilen kannst. Trotzdem hast Du dann eine Blogserie zum Reisen mit chronischer Erkrankung gestartet und auch über Deine Mukoviszidose-Erkrankung geschrieben. Wie kam es dazu?

Anfangs, als ich den Blog gestartet habe, wollte ich die Mukoviszidose eigentlich gar nicht zum Thema machen, das war nicht geplant. Irgendwann wurde mir aber klar, dass es schon zig Reiseblogs da draußen gibt, die im Prinzip zu einem großen Teil alle von ähnlichen Dingen handeln. Und mir fiel irgendwann auf, dass es zwar für mich eine Selbstverständlichkeit war, mit chronischer Erkrankung zu reisen- für viele andere war das aber natürlich nicht der Fall. Für viele stellt eine Erkrankung eine große Hürde in Hinsicht auf das Reisen dar. Darum begann ich, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und über das Thema zu schreiben. Und auch wenn ich es nicht erwartet hatte: Die Leute sprangen stark auf das Thema an. Ich bekam daraufhin viele Nachrichten bei Facebook und per Mail, in denen mich Leute, die selbst an einer Erkrankung litten, fragten, wie ich das denn mit dem Reisen mache und dass sie auch unheimlich gern mehr reisen würden. Das war natürlich eine Riesenmotivation und bestärkte mich in meiner Entscheidung, offen über das Thema Reisen mit chronischer Erkrankung zu schreiben.

Reisen ist Deine große Leidenschaft. Und meistens bist du als Indivdualtouristin unterwegs. Stößt Du dabei wegen Deiner Erkrankung auch auf Schwierigkeiten und wie gehst Du damit um?

Klar treten hier und da mal Schwierigkeiten auf und das Reisen mit chronischer Erkrankung hat halt auch seine Hürden, aber sie sind in den meisten Fällen überwindbar und sind gegen die einzigartigen Erfahrungen, die man auf Reisen macht, absolut in Kauf zu nehmen. Eines der größten Probleme stellt für mich die Medikamentenmitnahme dar, gerade auf Reisen über mehrere Monate, da ich eigentlich am liebsten nur mit Handgepäck reise. Das klappt leider bei mehrmonatigen Reisen dann oft nicht mehr. Auch dass ich nicht immer mithalten kann bei Aktivitäten in Gruppen oder zum Beispiel in Hostels vor den Zimmergenossen inhalieren und meine Therapie machen muss – das sind zwar Hürden, aber keine Hindernisse. Fakt ist, dass mit einer positiven, aber realistischen Einstellung, eine Reise trotz Hürden in den allermeisten Fällen machbar ist.

Was sind Deine Ziele für die Zukunft (und die Deines Blogs)?

Mein Hauptziel ist es, langfristig erfolgreich ortsunabhängig und digital selbstständig zu arbeiten, um meine Reisen mit dem Arbeiten kombinieren zu können – als sogenannte digitale Nomadin. In meinem Fall bedeutet das, von unterwegs Filmmaterial zu schneiden und Filme zu produzieren, was ich jetzt schon in Deutschland seit etwa Anfang des Jahres als selbstständige Videografin mache. Ab Anfang nächsten Jahres werde ich dann nach etwa zwei Jahren wieder für mehrere Monate auf Reisen gehen (dieses Mal wird es Marokko und möglicherweise noch ein weiteres Land sein). Ich hoffe, meinen Blog weiter voranzutreiben und ggf. später mal ein Buch zum Thema Reisen mit chronischer Erkrankung zu schreiben oder einen Film in diese Richtung zu produzieren. Während meiner Reise werde ich natürlich ausgiebig auf meinem Blog berichten und Videos zur Reise kreieren. Ansonsten steht in knapp 10 Tagen noch eine Reise nach Norwegen an, bei der ich für einen Auftraggeber einen Film vor Ort produziere. Bei alledem ist es aber natürlich auch weiterhin mein Ziel, meine Gesundheit so gut wie möglich aufrecht zu erhalten.

Gibt es etwas, das Du anderen Mukoviszidose-Betroffenen mit auf den Weg geben mochtest?

Ich lege einfach jedem ans Herz, egal ob mit Erkrankung oder ohne, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, egal wie unrealistisch oder gar unmöglich realisierbar er scheint. Wir lassen uns so oft vorschreiben, wie wir unser Leben zu leben haben, was wir dürfen und was nicht, und vergessen dabei, dass wir ganz allein die absolute Entscheidungskraft über unser eigenes Leben haben. Gerade mit Mukoviszidose oder einer sonstigen Erkrankung sollte man immer Sätze vermeiden wie „Ich kann nicht, weil…“ und sich stattdessen immer überlegen, WARUM etwas möglich ist und nach diesem Warum streben. Viele lassen sich wegen der Erkrankung entmutigen oder runterziehen, dabei sehe ich die Erkrankung eher als Antrieb, Dinge zu riskieren, die ich vielleicht sonst nicht riskieren würde und Dinge zu tun, die ich mich vielleicht sonst nicht trauen würde. Gerade durch die Erkrankung kann ich das Leben, wie ich glaube, weitaus mehr schätzen, als es vielleicht der Fall wäre, wenn ich kerngesund wäre. Also, nimm deinen Mut zusammen, riskiere etwas und koste jeden Moment dieses wunderschönen Lebens aus!

Das Interview führte Juliane Tiedt

Zum Blog „Travelous Mind“

Denise hat gerade auch ein E-Book veröffentlicht. „Das kleine Handbuch zum Reisen mit chronischer Erkrankung“ gibt es auch als Download, wenn man sich für den Travelous Mind-Newsletter anmeldet.

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